Partnerschaft von VSSÖ und ASMAS 20.08.2019, 10:24 Uhr

Österreich vereinheitlicht die Ausbildung im Sporthandel

Erstmals gibt es für Österreich in allen Bundesländern einheitliche Lehrunterlagen für die Ausbildung im Sportfachhandel. Darüber hinaus haben die Schweiz und Österreich eine internationale Partnerschaft bei Bildungsunterlagen geschlossen. 
(Quelle: VSSÖ )
In Österreich werden in diesem Herbst alle 800 Berufsschüler des Sportartikelhandels dieselben Lehrunterlagen bekommen, und auch grenzüberschreitend soll es gemeinsame Unterrichtsmaterialien geben: Michael Nendwich, Geschäftsführer des Verbands der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster Österreichs (VSSÖ), und Peter Bruggmann, Präsident des ASMAS (Verband des Schweizer Sportfachhandels), haben sich gemeinsam für mehr Einheitlichkeit in der Ausbildung stark gemacht. SAZsport sprach mich Michael Nendwich über die neuen Lehrunterlagen.
SAZsport: Herr Nendwich, im Gegensatz zu Deutschland, wo alle Auszubildenden im Einzelhandel in gemischten Klassen zusammengefasst sind, gibt es in Österreich schon spezielle Berufsschulklassen für Einzelhändler im Sportfachhandel. In dieser Beziehung hat also Österreich einen Vorsprung zu Deutschland, wo alle Branchen in gemischten Klassen untergebracht sind.
Michael Nendwich, Geschäftsführer des VSSÖ und seit 2017 Präsident der FEDAS, hat bereits seit mehreren Jahren die Ausbildung im Sportfachhandel im Fokus.
Quelle: VSSÖ
Michael Nendwich:
Das ist richtig, jedoch war das nicht immer so. Die Berufsschulausbildung ist in Österreich Ländersache, und die einzelnen Schuldirektionen entscheiden dann im Einzelfall, ob es eigene Klassen für Auszubildende im Sporthandel gibt. Falls es zu wenige sind, werden sie wie in Deutschland auch mit anderen Berufszweigen gemischt. Wir haben in einigen Bundesländern jedoch schon seit zwei Jahren Schwerpunktstandorte, und mittlerweile gilt das für fast alle österreichischen Bundesländer. Damit haben wir schon ein großes Ziel erreicht.
SAZsport: Wie lief bei der Erstellung der Lehrunterlagen die Zusammenarbeit mit den Berufsschulen ab?
Nendwich: Wir haben in den letzten drei, vier Jahren sehr viel Zeit und Geld in den Schwerpunkt Berufsschulausbildung investiert. Das bedeutet, wir haben Lehrunterlagen zusammengestellt, Lehrlingstage veranstaltet und Konzepte für die Aus- und Weiterbildung von Berufsschullehrern erarbeitet. Durch diese Initiative haben wir einen sehr engen Kontakt mit allen Lehrern, die in diesem Bereich unterrichten. Dadurch, dass wir hier etwas voranbringen wollen, haben wir nicht nur sehr viel Freude, Wertschätzung und Dankbarkeit erfahren, sondern auch sehr viel Bereitschaft, auf unsere Wünsche einzugehen.  Aufgrund der guten Zusammenarbeit mit den Berufsschulen konnten wir gemeinsam viel erreichen. Wir haben die Lehrer zu 100 Prozent abgeholt. Wir haben die Räumlichkeiten und die Vortragenden zur Verfügung gestellt sowie die Inhalte vorbereitet. Den Lehrern wurden quasi alle Inhalte auf dem Silbertablett serviert, sodass sie diese eins zu eins für den Unterricht verwenden können.
SAZsport: Inwieweit bestand der Bedarf, an der Ausbildungssituation etwas zu verbessern?
Nendwich: An der Ausbildung der Lehrer direkt setzen wir ja nicht an, dazu besteht keine Notwendigkeit, denn diese ist sehr gut. Die meisten Berufsschullehrer kommen aus der Praxis und geben ihre Erfahrungen im Unterricht weiter. Es gibt jedoch Lehrer, die seit zehn oder zwanzig Jahren mit den Abläufen in einem Sportgeschäft nichts mehr zu tun gehabt haben. Hier sehen wir ein Vakuum im Know-how und haben daher genau in diesem Bereich Aus- und Weiterbildungen organisiert. In zwei Bundesländern haben wir bereits Halbtages-Veranstaltungen angeboten, wo wichtige Themen, die den Sporthandel momentan bewegen, zur Sprache kamen. Und in diesem Herbst haben wir gemeinsam mit dem Land Tirol eine Drei-Tages-Veranstaltung geplant, an der auch die Industrie teilnimmt und wo wir gemeinsam noch mehr in die Tiefe gehen wollen.
Der VSSÖ hat in den letzten Jahren viel Zeit und Geld in den Schwerpunkt Berufsschulausbildung investiert. Ab dem Herbst soll ein neuer Lehrberuf mit dem Schwerpunkt Sporttechnik eingeführt werden.
Quelle: VSSÖ
SAZsport: Gibt es auch in anderen Berufszweigen schon eine solche Vereinheitlichung der Lehrunterlagen oder ist hier die Sportbranche Vorreiter?
Nendwich: Auf nationaler Ebene gibt es auch andere Branchen, wie zum Beispiel den Baustoffhandel, wo die Ausbildung vereinheitlicht ist. Was jedoch eine länderübergreifende Zusammenarbeit betrifft, sind wir Vorreiter: Die Schweiz und Österreich sind nun die ersten Länder mit einheitlichen Lehrunterlagen.
SAZsport: Wie lief die Koordination mit der Schweiz ab – war es nicht schwierig, hier länderübergreifend an Lehrplänen zu arbeiten?
Nendwich: Ganz so weit sind wir noch nicht. Wir haben bisher nur die Inhalte der Lehrunterlagen koordiniert. Die sind nun, was die Fach- und Materialkunde betrifft, zu 100 Prozent gleich, denn in der Schweiz wird der gleiche Ski wie bei uns verkauft. Aber auch dieser Prozess hat drei Jahre in Anspruch genommen, weil jedes Bundesland eigene Lehrunterlagen hatte. Wir mussten zunächst innerhalb von Österreich die einzelnen Bundesländer koordinieren. Dann wollten wir die Unterlagen länderübergreifend vereinheitlichen. Ganz entscheidend für die gute Zusammenarbeit mit der ASMAS waren deren sehr gute Unterrichtsmaterialien, die wir dann mit unseren zusammengefügt haben. Dadurch konnten wir gemeinsame Lehrunterlagen schaffen, die ab September 2019 gelten. Die Lehrpläne dahinter sind jedoch noch nicht abgestimmt.
Michael Nendwich, Geschäftsführer des VSSÖ, und Peter Bruggmann, Präsident der ASMAS, haben sich gemeinsam für mehr Einheitlichkeit in der Ausbildung im Sportfachhandel stark gemacht.
Quelle: VSSÖ
SAZsport: In Deutschland bleiben aktuell im Einzelhandel viele Lehrstellen unbesetzt. Wie sieht die Ausbildungssituation in Österreich aus?
Nendwich: Die Ausbildung zum Einzelhändler mit dem Schwerpunkt Sportartikelhandel ist in Österreich sehr erfolgreich. In diesem Beruf werden jährlich rund 800 Jugendliche ausgebildet. Aber definitiv fehlen auch hierzulande Auszubildende und Fachleute. Durch unsere Initiative wollen wir zeigen, dass die Lehre zum Einzelhändler im Sportfachhandel viele Möglichkeiten mit sich bringt – bis hin zum universitären Abschluss. Für 2020 planen wir gemeinsam mit vielen Partnern, wie zum Beispiel Hervis, eine Employee-Branding-Kampagne, um zu zeigen, wie viele Möglichkeiten der Sportartikelhandel auf breiter Basis bietet. Von der Kampagne erwarten wir uns, einen Großteil der offenen Lehrstellen abzudecken. Darüber hinaus sind wir schon vor Längerem darauf gekommen, dass der technische Bereich bisher vernachlässigt wurde, also ein Lehrberuf im Bereich des Ski-, Fahrrad- oder Tennisservice. Deshalb haben wir in den letzten zehn Jahren einen neuen Lehrberuf entwickelt: den Sporttechniker. Wir werden den neuen Lehrberuf am 3. September offiziell vorstellen.

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