Neuer Beruf mit großen Zukunftschancen 10.09.2019, 12:17 Uhr

Österreich bildet jetzt Sporttechniker aus

Die Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) präsentiert einen neuen Lehrberuf im Sporthandel: die Sportgerätefachkraft. Die Ausbildung soll praxisorientierter sein und  noch mehr technisches Hintergrundwissen vermitteln.
Im Nachbarland Österreich gibt es derzeit starke Bemühungen für eine bessere Ausbildung im Sportfachhandel. Nachdem der Verband der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster Österreichs (VSSÖ) bereits im August mit einheitlichen Lehrunterlagen für alle Auszubildenden im Sportfachhandel eine Neuerung vorstellte, gibt es nun weitere Veränderungen. Um die Ausbildungsmöglichkeiten im Handel attraktiver zu machen und dadurch mehr Jugendliche zu gewinnen, präsentierte die Bundessparte Handel der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und die Interessenvertretung des heimischen Handels am 3. September während eines Handels-Hintergrundgesprächs den neuen Lehrberuf der Sportgerätefachkraft.
Beim Handels-Hintergrundsgespräch am 3. September wurde der neue Lehrberuf des Sporttechnikers präsentiert: Dr Holger Schwarting, geschäftsführender Vorstand von Sport 2000 Österreich, Peter Buchmüller, Handelsobmann von der österreichischen Handelskammer, Michael Nendwich, VSSÖ-Geschäftsführer und Christian Vesely, Betriebstypenmanager bei Intersport Österreich (v.l.n.r).
Quelle: VSSÖ
Um dem Mangel an Fachkräften und Lehrlingen zu begegnen, setzten sich der VSSÖ sowie das Bundesgremium des Handels mit Mode und Freizeitartikeln bereits seit mehreren Jahren für die Etablierung des neuen Lehrberufs ein. Gleichzeitig will man auch den veränderten Ansprüchen innerhalb der Sportartikelbranche entgegenkomen, da Sportartikel immer beratungs- und serviceintensiver werden und auch die Anforderungen an die Fachkräfte im Verkauf und Service steigen. „Das gilt nicht nur für das klassische Produkt-Know-how. Auch die Möglichkeiten für individuelle Anpassungen der Sportartikel an die jeweiligen Kunden werden immer vielfältiger und individueller“, erklärt Michael Nendwich, Geschäftsführer des Verbands der Sportartikelerzeuger und Sportausrüster Österreichs (VSSÖ), der den neuen Lehrberuf gemeinsam mit der Branche und dem Sozialpartner federführend verhandelt und auf Schiene gebracht hat

Was ist das Neue an der Aubildung?

Die Sportgerätefachkraft soll wie andere Lehrlinge im Einzelhandel ebenfalls eine kaufmännische Ausbildung erhalten, doch die Schwerpunkte verlagern sich stärker in den technischen Bereich: „Den Fokus bei der Definition des Berufsbildes Sportgerätefachkraft und der Entwicklung der Lehrinhalte haben wir auf eine umfangreiche technische Ausbildung gelegt“, erläutert Nendwich. „Sportartikel entwickeln sich nicht nur in Funktion und Design weiter, die Produkte werden auch immer technischer. Und technischer bedeutet in den meisten Fällen auch erklärungsbedürftiger und serviceintensiver“, schließt sich auch Christian Vesely, Betriebstypen Manager bei Intersport Österreich, Nendwichs Meinung an. Im Vergleich zur bisherigen Einzelhandelslehre mit Schwerpunkt Sport kommen daher zusätzlich die Einstellung und Anpassung, Analyse von Störungen sowie Service, Reparatur und Montage von Sportartikeln und Sportgeräten mit zu den Lehrinhalten hinzu. Für die Lehrlinge bedeutet das in der Praxis, dass sie lernen, Fahrräder zu reparieren und zusammenzubauen, Fehleranalysen bei E-Bikes durchzuführen, Ski-Bindungen zu montieren, Tennisschläger zu bespannen oder Fitnessgeräte aufzubauen.
Für Nendwich ist der neue Lehrberuf ein wichtiges Signal an die Branche, da sie eine Lücke in der Ausbildung schließt. „Wir freuen uns umso mehr über den neuen Lehrberuf Sportgerätefachkraft, da wir davon überzeugt sind, dass es ein Beruf mit Zukunft ist, den wir hier für die Jugendlichen realisiert haben“, so der VSSÖ-Geschäftsführer. Auch Holger Schwarting, geschäftsführender Vorstand von Sport 2000 Österreich, war als Branchenvertreter an der Entwicklung des neuen Lehrberufs beteiligt. „Wir arbeiten in einer Branche, die extrem spannend ist und sich ständig weiterentwickelt. Neuartige Skibindungen machen das Skifahren so komfortabel wie nie zuvor, Skischuhe werden so an unsere Füße angepasst, dass wir nicht mehr unter Blasen leiden oder das Risiko für Knochenbrüche deutlich gesenkt wird. Das E-Bike wurde von einem 'Seniorenfahrzeug' zu einem Lifestyle-Produkt – bei vielen Modellen sieht man den Akku nicht einmal mehr sieht, weil er im Rahmen integriert ist. Ich könnte noch lange so weitermachen“, so Schwarting.

Verbesserte Karrierechancen

Eine weitere Neuerung innerhalb der Ausbildung im Einzelhandel ist nun auch die Möglichkeit, die Lehrausbildung mit der Matura, sprich dem Abitur, zu verbinden. Dabei gibt es verschiedene Wege: Beim sogenannten integrierten Modell wird die Matura auf die Arbeitszeit angerechnet. Wer schon eine Matura hat, bekommt eine verkürzte Lehrzeit bewilligt. Zudem gibt es auch die Möglichkeit einer dualen Ausbildung, die sich aus den Bereichen Trainee-Programm, Berufsschul-Ausbildung und der Vermittlung von weiteren Kompetenzen zusammensetzt.

Eine Ausbildung innerhalb des Sporthandels ist in Österreich durchaus vielversprechend: Rund 11.000 Mitarbeiter sind aktuell im Sportfachhandel tätig und die Lehrlingszahlen sind in den vergangenen zwei Jahren von 684 auf 736 Auszubildende deutlich gestiegen. Die österreichische Sportindustrie erreichte 2018 einen Gesamtumsatz von ca. 2,73 Mrd. Euro, davon wurden laut VSSÖ knapp 2 Mrd. im Sportfachhandel umgesetzt.

... weitere interessante SAZsport Themen