Interview mit Outdoor-Händler Kai Quandt 17.06.2019, 09:54 Uhr

Darum ist Bergwerk Mitglied bei SportXtreme

Kein Outdoor-Profi, kein Outdoor-Insider – das Bergwerk gehört der jungen, etwas weniger bekannten Verbundgruppe SportXtreme an. Inhaber Kai Quandt über die Gründe und Vorteile.
SportXtreme wurde als Sport-Spezialeinheit des Kölner Schuhverbunds GMS vor sechseinhalb Jahren ins Leben gerufen. Der Outdoor-Händler Bergwerk in Quedlinburg (Sachsen-Anhalt) ist eines von mittlerweile insgesamt 186 Mitgliedern in Deutschland; Österreich hinzugerechnet sind es 237.
SAZsport: Herr Quandt, in einer Anzeige der Verbundgruppe lassen Sie sich wie folgt zitieren: „Wir sind bei SportXtreme, weil wir die Freiheit und die Unabhängigkeit des Verbundes schätzen.“ Wie haben Sie das konkret gemeint?
Kai Quandt: Als wir den Laden eröffnet haben, war für uns klar, dass wir allein das Risiko tragen und nur uns Rechenschaft ablegen müssen. Letztlich ist das gar nicht so einfach, weil wir Fremdkapital, sprich Geld von der Bank brauchten. Dabei haben wir uns gesagt: Entweder wir können das mit unserem eigenen Kapital und Geld von der Bank schaffen oder wir lassen es. Als damals Anfragen zum Beispiel von Sport 2000 kamen, war für uns klar, dass wir wieder jemandem Rechenschaft schuldig sein würden. Dann würde sich jemand in unseren Wareneinkauf einmischen – so war es zumindest damals bei den Verbänden, die einem auch ihre Eigenmarken aufgeschwatzt haben –, und das wollten wir nicht. Bei SportXtreme ist es so, dass wir – abgesehen davon, dass wir eine Zentralregulierung mit dem Verband machen – nicht viel miteinander zu tun haben. Natürlich müssen wir die Rechnungen dort beziehungsweise an die RSB Bank und nicht an den Lieferanten bezahlen. Als Skontozahler ist es im Prinzip egal, wohin man die Beträge überweist. Aber natürlich hat das den Vorteil, dass man die Zahlungsziele vom Verband verlängert bekommt. Das Einzige, was wir von Sport­Xtreme noch nutzen, ist der günstigere Einkauf von Paketmarken. Damit haben wir übers Jahr gesehen immer eine Einsparung von 100 bis 150 Euro.
Kai Quandt
Inhaber Bergwerk
Kai Quandt
Nächstes Jahr feiern Kai Quandt und Göran Wendler (beide 52) mit ihrem Bergwerk 25. Geburtstag.
In dem nur 113 Quadratmeter großen Geschäft bieten der studierte Informationstechniker und der
Diplom-Sportlehrer den Kunden alles zu den Themen Bergsport, Wandern und Trekking. Weitere Retail-Erfahrungen haben beide mit dem Betrieb der Jack-Wolfskin-Stores in Dessau (von 2005 bis 2015) und Halle (2007 bis 2017) gemacht. Seit drei Jahren sind die Outdoor-Händler Mitglied bei SportXtreme.
SAZsport: Hätte es diese Vorteile bei Sport 2000 mit den Outdoor-Profis und den Outdoor-Insidern so nicht gegeben?
Quandt: Dazu gibt eine Geschichte. Vor etwa 17 Jahren haben wir eine Anfrage an Sport 2000 gestellt, ob wir dort Mitglied werden könnten (damals gab es die Outdoor-Profis noch nicht) – und haben eine Absage erhalten. Ich dachte, dass unsere Zahlen vielleicht zu schlecht seien oder wir zu wenig Gewinn gemacht hätten und habe dort noch einmal nachgefragt. Als Antwort bekam ich: Nein, das ist alles okay, aber ihr seid zu klein. Ihr würdet Sport 2000 und den Mitgliedern nichts bringen, nur ihr hättet Vorteile. Damit war das Kapitel für uns abgeschlossen. Letzten Endes wollten wir auch nicht unbedingt zu SportXtreme gehen oder haben generell nach einem Partner gesucht, sondern ein Händlerkollege aus Leipzig, der ein halbes Jahr vorher dort Mitglied geworden ist, hat uns davon erzählt. Bis jetzt sind wir damit nicht schlecht gefahren.
SAZsport: Wie groß sind die Unterschiede bei den Einkaufskonditionen von gelisteten und nicht gelisteten Outdoor-Marken für einen kleineren Händler?
Quandt: Es gibt einen Lieferanten, bei dem wir über den Verband bessere Einkaufskonditionen haben – das sind drei Prozent mehr Rabatt auf Vor- und Nachorder. Bei allen anderen Firmen wirkt sich das im Prinzip gleich null aus.
SAZsport: Aber eigentlich ist man als (Sport-)Händler doch vor allem wegen der besseren Einkaufskonditionen Mitglied in einer Verbundgruppe.
Quandt: Es gibt ja noch andere Vorteile wie die vorhin genannte Zahlungszielverlängerung und verschiedene Skontostufen. Wenn man zum Beispiel eine Rechnung netto zahlen würde, dann hätte man statt 30 Tagen 60 Tage Zeit. Dazu gibt es am Jahresende eine Rückvergütung für die Menge der über die von SportXtreme regulierten Rechnungen, wo man dann im Nachgang noch ein Prozent an Bonus bekommt. Das sind jetzt keine riesigen Vorteile, aber wieso soll es die auch geben – wir machen ja nichts für den Verband (lacht). Wir bezahlen auch keinen Mitgliedsbeitrag, sondern nur eine sogenannte GLN-Gebühr – GLN bedeutet ausgeschrieben Globale Lokationsnummer (Anm. d. Red.: 13-stellige Identifikationsnummer für den Geschäftsverkehr) – von netto 23,50 Euro pro Jahr.
SAZsport: Sind denn alle Markenhersteller, die das Bergwerk im Sortiment führt, tatsächlich auch über den SportXtreme-Verband zentralreguliert?
Quandt: Nein, natürlich nicht. Wir regulieren schon alle bei uns geführten Marken, die bei SportXtreme gelistet sind, aber das sind nicht alle; eine ganze Menge an Herstellern läuft nicht darüber. Seitdem wir der Verbundgruppe angehören, sind auch kaum weitere unserer Lieferanten in der Listung dazugekommen.
SAZsport: Glauben Sie, dass Sie in diesem Markt auch als kleinerer Fachhändler und Spezialist ohne Zugehörigkeit zu einem Verbund bestehen könnten?
Quandt: Natürlich, wir haben das ja lange Zeit auch ohne Verband getan.
SAZsport: Jetzt sind die Zeiten für den stationären Fachhandel schwieriger geworden.
Quandt: Ich weiß nicht, ob schwieriger das richtige Wort ist – anders sind sie geworden. Was wir an Vorteilen genießen, ist jetzt nicht so riesig, dass es einen großen Unterschied machen würde. Für uns bedeutet die Mitgliedschaft im Verbund letztlich einen kleinen Gewinn. Wenn man Schwierigkeiten in einer Richtung hat, expandieren will, Veränderungen in seiner Struktur plant, dann ist es schon sinnvoll, in einem Verband zu sein, weil man dort viele zusätzliche Angebote nutzen kann – Anwälte, Planer, Warenwirtschaftssysteme, sonstiges Know-how, das man selbst oft nicht hat.
SAZsport: Gibt es abschließend etwas, das Sie sich noch von SportXtreme wünschen würden hinsichtlich Unterstützung oder auch Betreuung?
Quandt: Nein, eigentlich nicht. Es gibt wie gesagt sehr viele Angebote von SportXtreme, die wir nicht nutzen und bisher auch nicht in Anspruch nehmen mussten. Wenn ich einen Laden mit zehn Angestellten hätte, dann sähe das vielleicht anders aus, zum Beispiel beim Thema Personalfindung – aber wir sind zu zweit.

... weitere interessante SAZsport Themen