Erster Spezialist nach neuem Konzept 02.10.2018, 10:46 Uhr

So denkt Christoph Hesse über Sport 2000 Absolute

Am 27. September feierten Sport 2000 und Mitglied Christoph Hesse die Eröffnung des ersten „Absolute“-Stores. Wie der Händler darüber denkt – und was er sich von seinen Kollegen im Verband wünscht.
Das neue Konzept Absolute ist bereits an der Außenfassade von Teamsportprofi Hesse sichtbar.
(Quelle: Sport 2000 )
Den größten Lacher des Abends erntet nicht der Gastgeber selbst. Sporthändler Christoph Hesse ist nie um einen guten Spruch verlegen, doch ein Satz mit diesem Inhalt wäre kaum aus seinem Mund gekommen. Bei der Einweihungsfeier seines „Absolute-Teamsport“-Stores waren nicht nur er und zwei Vertreter von Sport 2000 – Projektleiter Michael Zeuch und Geschäftsführer Hans-Hermann Deters – nach vorne gerufen worden, sondern auch Manager der drei den Fußball-Laden dominierenden Marken Adidas, Nike und Puma. Letzterer mit Namen Alexander Löbe, bei der Raubkatze Vertriebsleiter Teamsport/Running DACH, wurde vom Moderator gefragt, welchen Eindruck er vom Store habe. Dieser sei „State of the Art, ein toller Laden mit einer tollen Atmosphäre“, lautete das Kompliment, und dann fiel der ominöse Satz: Er sei davon „positiv überrascht“, meinte Löbe, „weil die Anfahrt ja nicht so ein Schmuckstück vermuten“ ließe. Großes Gelächter im Publikum, das sich natürlich zum Großteil aus Menschen dieser Region, dem Westerwaldkreis in Rheinland-Pfalz, zusammensetzte. Mit Verlaub tiefste Provinz, wo sich, wie es so schön heißt, Fuchs und Hase gute Nacht sagen.

Pilotstore in der Provinz

Tatsächlich ist es ein Stück weit skurril, dass der Pilotstore mit dem neuen Retail-Format, das die große und in der Branche einflussreiche Verbundgruppe Sport 2000 sogar auf Europa-Ebene an den Start bringen möchte, nun in der 1.200-Seelen-Gemeinde Ruppach-Goldhausen betrieben wird. Allerdings von einem Händler, der das Teamsport-Geschäft bereits seit über 30 Jahren kennt. Und der bereit war, das Risiko einzugehen. „Es war für mich eine emotionale Entscheidung, das Konzept umzusetzen. Wir haben den ganzen Tag darüber im Beirat der Teamsport-Profis diskutiert. Wir saßen bis zum Abend da, und ich habe gesagt: Ich mache das, und dann ist Feierabend“, erinnert sich Christoph Hesse. Das sei nochmal eine neue Aufgabe, er könne neu durchstarten, das Konzept mit entwickeln – „so etwas mag ich“, erklärt der 63-Jährige. „Das Konzept ist wirklich gut, richtig durchdacht. Die Industrie kann eigentlich gar nicht anders, als dabei mitzumachen.“
Zuvor hatte er seinen Gästen versprochen, dass man hier ein „Feuerwerk abbrennen“ werde. Schließlich sind die Ziele hoch gesteckt: Wie Hans-Hermann Deters verkündet, habe „Herr Hesse den Anspruch, die Nr. 1 in der Region zwischen Köln und Frankfurt zu werden“. Für den Geschäftsführer von Sport-2000-Deutschland bedeutet Absolute die Zukunft des Fachhandels, des Spezialistentums. Dieses Konzept soll nicht nur im Teamsport, sondern auch in den Fokus-Kategorien Running und Fitness gespielt werden. 58 % der Händler seien spezialisiert, hebt er hervor, und bezeichnet Absolute „vertikal“. Er meint damit einen ganz anderen Grad der Verbindlichkeit. „Wir haben hier mit den großen Marken Vereinbarungen getroffen, die uns die Möglichkeit geben, von der Warenversorgung, den richtigen Sortimenten, den richtigen Preisen, der Verfügbarkeit her immer präsent zu sein“, so Deters. „Das heißt: Am Ende geht es um die Wettbewerbsfähigkeit für unsere Händler, die bei diesem Konzept mitmachen.“

„Industrie glaubt ans Konzept“

 Apropos große Marken: Adidas, Nike und Puma dominieren die Fläche von 325 qm zu etwa gleichen Teilen, dazu ist Derbystar mit seinen Bundesliga-Bällen präsent. Deters und Hesse betonen unisono die gute Zusammenarbeit mit den Lieferanten. „Die Industrie glaubt an das Konzept, und die drei sind ja nicht blöd“, bemerkt Hesse und nennt ein Beispiel: Puma sei plötzlich nach dem Baubeginn im Juni doch nicht ganz zufrieden gewesen mit der Platzierung im hinteren Teil des Ladens, die Marke wollte „als Challenger“ mehr in die Mitte. Dies bedeutete aber auch, dass Dinge nachträglich verändert werden mussten. „Puma hat das bezahlt. Die haben alles bekommen – so, wie sie es haben wollten“, verrät Hesse. Was zeigt, welche Relevanz der Pilotstore für die Big Player haben muss.
Adidas, Puma und Nike dominieren die Verkaufsfläche im neugestalteten Teamsport-Geschäft.
(Quelle: Sport 2000)
Kleiner Wermutstropfen für Hesse: Erst nach dreimonatiger Bauzeit und einigen Schwierigkeiten konnte der Laden endlich eröffnet werden. Sein Geschäft konnte Hesse aus dem Lager heraus einigermaßen weiterführen. „Das Konzept hat unheimlich viel Zeit, Planung und auch Geld gekostet, und da müssen wir jetzt richtig Leben reinbekommen“, so die Marschroute des Händlers, der gleichzeitig auch eine Kampfansage formuliert: „Damit hängen wir alle unsere Mitbewerber ab, davon bin ich total überzeugt.“ Ob das „Absolute Teamsport“ tatsächlich gelingt, wird sich zeigen. Entscheidend ist für den Händler, dass man den Kunden auf der Fläche etwas bieten müsse. Seinen Mitarbeitern habe er gesagt: Wir können jetzt nicht einfach so weitermachen – 'guten Tag' sagen und das war's. „Wir müssen die Kunden noch besser abholen, das muss eine ganz neue Qualität haben“, meint Hesse mit Blick auf sein 13-köpfiges Team.

Nachahmer erwünscht

Wünschen würde er sich, dass bald auch die nächsten Kollegen von den Teamsport-Profis mit „Absolute“ nachziehen. Es hätten sich schon zwei, drei bei ihm gemeldet, er helfe da gerne. „Für uns im Verband ist es ganz wichtig, die richtigen Händler dafür zu finden, solche, die dafür brennen“, betont Hesse. Hans-Hermann Deters sieht in Deutschland damit ein Potenzial von 20 bis 25 Standorten. Und wie lange möchte er, Christoph Hesse, noch im Geschäft bleiben, mit seinen immerhin 63 Jahren? „So lange, wie es geht“, entgegnet der. „So, wie die Firma läuft und wie wir auch vom Verband abgesichert sind, macht mir das nach wie vor viel zu viel Spaß um aufzuhören.“

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