Fünf Jahre Sneakertube in Cham 13.06.2019, 07:36 Uhr

Sneaker funktionieren auch außerhalb der Großstadt

Für Marken wie Adidas und Nike gehört der Standort eines Händlers zu den entscheidenden Kriterien, wenn es um die Belieferung mit begehrten Sneaker-Editionen geht. Sneakertube zeigt aber, dass es auch ohne 1A-Lage in Berlin, Hamburg oder München geht.
Mit Sneakertube hat der Mode- und Möbelhändler Frey 2014 einen eigenen Sneaker-Store eröffnet. Eines unterscheidet den 150 Quadratmeter großen Laden von ähnlichen Shops gravierend: Der Standort. Sneakertube liegt nämlich nicht inmitten einer Großstadt oder zumindest eines Mittelzentrums, sondern in der 18.000-Einwohner-Stadt Cham im Bayerischen Wald. Nino Ardolic, bei Frey für die Sportabteilungen der Modehäuser und auch für den Sneaker-Store verantwortlich, erklärt, welche Hürden der Laden nach wie vor zu nehmen hat – und weshalb er sich trotzdem rentiert.
SAZsport: Frey ist nicht unbedingt für Sneaker bekannt. Was gehört neben dem Sneaker-Store alles zum Unternehmen?
Nino Ardolic: Dazu gehören neben mehreren Möbelgeschäften auch vier Modehäuser, und zwar in Cham, Marktredwitz, Schwandorf und Bad Kötzting. In zwei dieser Modehäuser, nämlich in Cham und Marktredwitz, haben wir eine große Sportabteilung mit jeweils über 1.000 Quadratmetern.
SAZsport: Wieso wurde das Unternehmen vor fünf Jahren um Sneakertube erweitert?
Neben Sneakern gibt es im Laden auch ein großes Angebot an Caps.
(Quelle: Sneakertube)
Ardolic:
Im Sportbereich, in dem wir die bekannten Marken wie Adidas, Nike und Reebok schon geführt haben, war absehbar, dass wir die begehrten Modelle nicht mehr bekommen werden. Wir wurden beispielsweise informiert, dass wir Adidas Originals nicht mehr erhalten. Das war für uns dann auch der Hauptgrund, zu sagen, dass wir dafür eine eigene Ladentür benötigen, um die Marke weiterhin führen zu können. Der Store hat uns dann natürlich auch wieder die Türen geöffnet bei Nike, Fila, Puma usw.
SAZsport: Ein Händler muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen, damit die Marken ihn mit ihren Sneaker-Editionen beliefern. Wie sehen diese denn aus?
Ardolic: Wichtig ist das Markenumfeld, wobei es nicht einfach ist, das zu schaffen. Die Marken beziehen sich gegenseitig aufeinander. Die Industrie sagt quasi: „Wenn du diese oder jene Marke führst, dann bekommst du auch von uns die begehrten Produkte.“ Eine der Marken muss halt mal den Anfang machen. Grundsätzlich sollte der Bereich der Sneaker konsequent von Sportartikeln abgetrennt sein. Die Marken wollen zwischen Fashion und Performance eine klare Untergliederung. Als wir den Store eröffnet haben, war tatsächlich eine eigene Ladentür zwingend erforderlich. In dieser Hinsicht habe ich aber gehört, dass die Anforderungen etwas gelockert wurden. Wenn man die Sneaker bei Mode integriert, hat man meiner Ansicht nach da auch schon gute Chancen, mit den entsprechenden Modellen beliefert zu werden.
SAZsport: Welche Marken hat Sneakertube im Sortiment?
Ardolic: Adidas, Reebok, Nike, Fila, Puma, Vans, Converse und Supra führen wir aktuell, Lacoste kommt in Kürze neu dazu. Die Marken orientieren sich immer stärker daran, wo der Kunde hingeht. Und das sind derzeit Sneaker-Läden und natürlich Online-Player. Wir sind nun bei Adidas beispielsweise in der glücklichen Lage, alles zu haben, Performance und Originals. Wir haben mit Adidas nie so gute Umsätze gemacht, als wir Originals noch bei Sport integriert hatten, wie jetzt, wo die Segmente getrennt sind.
SAZsport: Und worauf führen Sie das zurück?
Ardolic: Es liegt schon an der Außenwirkung. Außerdem ist es in der Sportabteilung auch immer eine Platzfrage. Man möchte ja Performance abbilden und kann die modische Schiene dann nicht ganz so groß fahren. Deshalb waren Sneaker in unseren Sportabteilungen früher immer eine Nische. Mit dem Sneaker-Store kann sich das Segment eindeutig besser entfalten, da gibt es mehr Möglichkeiten, die Produkte zu inszenieren.
SAZsport: Welche Marken und Modelle sind aktuell die größten Umsatzbringer?
Ardolic: Die größten Umsätze bescheren uns derzeit die Retrowelle und die Ugly Sneaker, also klobige Schuhe mit auffälligen Sohlen. Ich denke da insbesondere an zwei Modelle, nämlich von Fila der „Disruptor“ oder der „Falcon“ von Adidas. Aber auch Klassiker wie „Stan Smith“ von Adidas oder „Club C“ von Reebok sind immer gefragt, sodass ich die fast als NoS-Artikel sehe, die man dauerhaft im Laden haben muss.
SAZsport: Gibt es Marken und Modelle, die absolut notwendig sind, damit der Store funktioniert?
Ardolic: Ohne Adidas wäre es schwierig. Die Marke ist bei uns unangefochtene Nr. 1. Nike ist auch sehr wichtig, wobei aber da die Distribution nicht ganz so einfach ist. Die Order läuft nicht optimal, man sieht dort fast keine Originalmuster; man muss der Marke sehr viel Vertrauen entgegenbringen, bekommt die angesagtesten Modelle aber trotzdem oft nicht. Marken wie Nike legen ihren Fokus auf Key-Cities wie Hamburg, Berlin oder München. Da werden die Neuheiten gepusht. Ebenso natürlich bei den größten einschlägigen Sneaker-Läden, die auch online stark mitspielen, wie beispielsweise Asphaltgold oder 43einhalb. Da müssen wir immer wieder feststellen, dass wir nicht all das bekommen, was wir gerne hätten bzw. was auch die Kunden nachfragen. Konzentration auf Key-Cities ist gut und schön, aber im Netz sieht der Kunde ja alles. Und er versteht dann häufig nicht, dass wir zwar die Marke führen, aber dass wir einzelne Modelle trotzdem nicht haben. Das ist für den Kunden oft nicht logisch.
SAZsport: Führen Sie im Gegenzug auch Marken, die zwar Frequenz bringen, aber im Verkauf nicht so stark sind?
Das Thema U-Bahn bestimmt die Gestaltung des Ladens.
(Quelle: Sneakertube)
Ardolic:
Nike gehört zu diesen Marken. Man braucht Nike, um die Kunden in den Laden zu ziehen. Aber wir sind tatsächlich mit dem Abverkauf nicht so glücklich, weil wir nicht die Top-Modelle bekommen. Außerdem erlaubt uns Nike auch nicht, auf Plattformen zu verkaufen. Die machen das lieber selbst, aber wir dürfen weder auf Amazon noch über Ebay oder andere Plattformen die Schuhe der Marke anbieten. Und das erschwert das Geschäft umso mehr.
SAZsport: Wie sieht es in dieser Hinsicht mit den anderen Marken aus, die Sie führen?
Ardolic: Die sind da alle recht offen und erlauben das Plattform-Geschäft. Wir verkaufen beispielsweise über Zalando. Wir ziehen diese Plattform vor, weil wir selbst entscheiden können, was wir verschicken und was nicht. Außerdem wird dort meist noch zum UVP verkauft, was bei Amazon oder Ebay ja gar nicht funktioniert. Zalando hat nur den kleinen Nachteil, dass man als Händler selbst nicht mit Kunden kommuniziert. Der weiß nicht, dass das Paket von einem unabhängigen Händler kommt. Aber für uns erleichtert der Online-Verkauf das Geschäft mit den Sneakern, weil wir dadurch die Möglichkeit haben, im Laden eine größere Auswahl zu bieten, die wir rein stationär gar nicht abverkaufen könnten. Die entsprechende Warenmenge, die wir wegen der nötigen Auswahl brauchen, könnten wir nur schwer allein über den stationären Laden verkaufen.
SAZsport: Wie zufrieden sind Sie allgemein mit der Zusammenarbeit mit den Marken und mit den Konditionen?
Ardolic: Mit Nike ist es, wie schon gesagt, schwierig. Mit Adidas sind wir im Großen und Ganzen zufrieden. Wir haben da den Vorteil, dass unsere Umsätze aus Sport und Fashion kumuliert werden. Dadurch erreichen wir dann auch mal spannende Rabatte. Puma macht einen hervorragenden Job und unterstützt uns sehr stark, zum Beispiel wenn neue Schuhe und Kollektionen auf den Markt kommen. Aber leider ist Puma beim Endverbraucher nicht so präsent; da gibt es nur ein, zwei Modelle, die wirklich gesucht sind, aber in der Breite funktioniert das Sortiment noch nicht so gut.
SAZsport: Welcher Hersteller bietet Ihnen die besten Margen?
Ardolic: Bei uns ist das Adidas Originals.
SAZsport: Wie gehen Sie im Marketing für den Sneaker-Store vor?
Ardolic: Natürlich läuft es anders als bei den Bereichen Mode und Sport. Wir unterhalten Kooperationen, zum Beispiel mit Fitnessstudios oder Diskotheken, wir haben auch einen eigenen Kinospot gedreht – wir wollen eben dort aufschlagen, wo unsere Kunden sind. Wir nutzen sehr stark die sozialen Medien. Wenn wir Geld ins Marketing investieren, dann meist in Facebook und Instagram. Klassische Werbung wird gar nicht gemacht, es sei denn wir integrieren diese bei unserem Marketing für das Modehaus. In den sozialen Medien ist uns wichtig, dass wir auf den Zug aufspringen, wenn die Industrie Themen aufgreift und Content ausspielt. Dann tun wir kund, dass wir die Produkte auch führen.
SAZsport: Cham liegt ja in einer Urlaubsregion. Wie wichtig sind denn Touristen für Ihr Geschäft?
Ardolic: Touristen sind ein wichtiger Umsatzbringer – in der Region und auch für uns. Die freuen sich auf jeden Fall auch über einen Sneaker-Laden, den sie vielleicht in Cham gar nicht erwarten würden. Unser Personal ist auch darauf trainiert, Kunden, die im Modehaus und der Sportabteilung nicht fündig werden, direkt in den Sneaker-Store zu schicken. Unser Personal soll immer im Outfit denken und im Outfit verkaufen. Und dazu gehört auch, an die Sneaker zu denken.

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