Rid Stiftung feiert 30 Jahre 09.10.2018, 13:05 Uhr

Kostenfreies Coaching für den Handel

Seit 30 Jahren unterstützt die Rid Stiftung mittelständische Einzelhändler in Bayern. Das Förderprogramm ist umfangreich, hat einen hohen Standard und ist kostenlos.
Am 3. März 1988 wurde die Günther Rid Stiftung für den bayerischen Einzelhandel offiziell gegründet. Seit dieser Zeit gibt die Rid Stiftung bayerischen Einzelhändlerinnen und Einzelhändlern – darunter auch viele Sporthändler – Hilfestellungen, um ihre Zukunft erfolgreich zu gestalten. „Dr. Rid war der Überzeugung, dass der mittelständische Einzelhandel eine tragende Säule unserer gesamten Wirtschaft ist. Er sah aber auch große Herausforderungen auf den Einzelhandel zukommen. Ende der 1980er-Jahre zeichneten sich die Folgen die Expansion großer, internationaler Filialisten am deutschen Markt bereits deutlich ab“, erklärt Michaela Pichlbauer, Vorständin der Rid Stiftung.
SAZsport: Frau Pichlbauer, wofür steht die Rid Stiftung?
Pichlbauer: Nach wie vor sind wir dem Credo von Dr. Günther Rid verpflichtet: Der mittelständische Einzelhandel braucht exzellentes Wissen, um im Wettbewerb mithalten zu können. So formulierte er den Satzungszweck: die Weiterbildung und berufliche Bildung des Führungsnachwuchses in Bayern zu fördern. 
SAZsport: Wie finanziert die Rid Stiftung ihr ganzjähriges, kostenfreies Angebot? 
Michaela Pichlbauer ist Vorständin der Rid Stiftung.
(Quelle: Rid Stiftung)
Pichlbauer:
Die Rid Stiftung ist aus dem unternehmerischen Erfolg des Hauses Bettenrid hervorgegangen. Günther Rid war ein leidenschaftlicher und sehr erfolgreicher Geschäftsmann. Er reinvestierte Gewinne sehr klug, unter anderem auch in Gewerbeimmobilien in der Münchner Innenstadt. Durch sein Testament ging ein Teil dieser Gewerbeimmobilien und auch sein Handelsunternehmen zu 100% in das Eigentum der Stiftung über. So fließen die Erlöse aus den Immobilien und die Gewinne von Bettenrid heute in die Stiftung. Dies ermöglicht uns mittlerweile, jährlich ca. 2,5 Mio. Euro für den Satzungszweck aufzuwenden.
SAZsport: Ihnen ist die Händlerperspektive also wohlvertraut – Sie wissen, wovon Sie in den Seminaren reden.
Pichlbauer: Richtig, von den Fragestellungen, die wir in den Förderprogrammen beantworten wollen, verstehen wir sehr viel aus unserer operativen Tätigkeit als Händler. Wir müssen es dann auch aushalten, dass nicht immer alles so einfach in der praktischen Umsetzung ist, wie es sich im Seminar anhört. Diese beiden Perspektiven sind aber für uns als Stiftung ein extrem wertvolles und gesundes Fundament, auf dem wir agieren. Dies führt u.a. auch dazu, dass wir unser Angebot noch besser weiterentwickeln können und unsere Glaubwürdigkeit stärken. Wir schätzen aber auch das Feedback unserer Teilnehmer aus den Workshops, das wir aufnehmen und in weitere Seminare einbauen. Diese Augenhöhe stellt sicher, dass wir trotz unserer Größe immer noch eine Stiftung sind, die nahbar ist, und mit der man auch direkt sprechen kann.
Beim jährlichen Zukunftskongress vergibt die Rid Stiftung wieder den mit 10.000 Euro dotierten Innovationspreis, für den auch schon Sporthändler nominiert waren. In diesem Jahr findet er am 25. Oktober statt.
(Quelle: Rid Stiftung)
SAZsport: Wie oft rufen Sporthändler bei der Stiftung an?
Pichlbauer: Der Sportfachhandel ist ein wichtiger und sehr innovativer Bestandteil des Einzelhandels. Diese Bedeutung spiegelt sich auch anhand der Anzahl an Teilnehmern in unseren Seminaren und auf unserem Zukunftskongress wider. Der Erstkontakt mit uns ist zumeist eine Bewerbung für eines unserer Programme, kann aber auch aufgrund von Empfehlungen unserer Netzwerkpartner oder im direkten, persönlichen Gespräch erfolgen. Im vergangenen Jahr war z.B. Tailored Fits bei unserem Innovationspreis „Handel im Wandel“ im Finale mit dabei – ein Start-up, das aus einem etablierten Sporthändler hervorgegangen ist. Sport Eisert aus Erlangen, Sport Förg aus Augsburg sind nur zwei tolle Beispiele für eine dynamische Unternehmensentwicklung und eine erfolgreiche Teilnahme an unseren Programmen.
Bei der Rid Stiftung kommen bayerische Händler in den Genuß von hochqualifizierten und dennoch kostenlosen Schulungen.
(Quelle: Rid Stiftung)
SAZsport: Woraus besteht das Weiterbildungsangebot der Stiftung?
Pichlbauer: Wir bieten ein Fortbildungsprogramm mit zwei- bis fünftägigen Seminaren an. Inhaltlich decken die Angebote die Felder Personalführung und Persönlichkeitsentwicklung, Strategie und Marketing sowie E-Commerce und Technologie ab. Unsere kostenfreien Seminare finden an schönen Orten, in hochwertigen Seminarhotels in ganz Bayern statt. Das geht direkt auf Günther Rid zurück. Er glaubte daran, dass Lernen in angenehmeren Kontexten leichter fällt. Ein zweiter Baustein unseres Förderprogramms ist das umfassende Qualifizierungsprogramm „Unternehmensführung im Handel“. Es läuft über fünf Wochen, verteilt über zwei Jahre. Ich würde es verkürzt als „Best of“ des praktischen Teils eines Betriebswirtschaftsstudium bezeichnen. Dabei legen wir auch viel Wert auf die eigene Persönlichkeitsentwicklung. Die Teilnehmer finden sich in Peergroups zusammen und tauschen sich häufig auch nach Beendigung der Weiterbildung aus. Nicht jeder hat den Zugang und die Zeit für ein Universitätsstudium. Unsere Adressaten sind hier die Unternehmer selbst, ihre Nachfolger vor allem, sowie die obere Führungsebene. Wir bieten des Weiteren eine Ausbildung zum E-Commerce-Manager an, die anderthalb Jahre dauert. Am Ende des Programms erfolgt bei bestandener Abschlussprüfung eine Zertifizierung durch den Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh). Auch ausführliche, einjährige Coaching-Programme bieten wir zu speziellen Entwicklungsthemen an.
SAZsport: Was hat sich in den 30 Jahren des Bestehens verändert?
Dr. Günther Rid: Ein erfolgreicher Händler, der mit seiner Stiftung jährlich 2,5 Mio. Euro in die Ausbildung von Händlern investiert.
(Quelle: Rid Stiftung)
Pichlbauer:
Es gibt neue und unverändert relevante Handlungsfelder und Fragestellungen für den Einzelhandel, um erfolgreich im Markt zu agieren und zu bestehen. Handel ist Wandel, und unsere Fortbildungsprogramme wurden und werden diesen Gegebenheiten stetig angepasst, um die Teilnehmer zu fördern und auch ein stückweit zu fordern. Ein Beispiel für Veränderung ist sicherlich der digitale Wandel und der Bereich E-Commerce. Das konnte Günther Rid so nicht voraussehen. Sehr wohl hat er aber erkannt, dass die Individualität eines Händlers, die Attraktivität einer Stadt und ihre wechselseitige Profilierung entscheidend sind. Wir addieren mittlerweile die Online-Realität dazu und denken Vokabeln wie „Digitales Würmtal“, das ist ein Zusammenschluss von Kommunen, Händlern und weiterer lokaler Akteure. So arbeiten wir daran, auch die „digitale Aufenthaltsqualität“ in einer Stadt aktiv zu gestalten.
Dass der mittelständische bayerische Einzelhandel darum ringen muss, im Reigen der Großen ausreichende Sichtbarkeit zu erhalten, ebenso ausreichende Unterstützung, auch das ist über die Jahre leider gleichgeblieben. Ich meine allerdings, wir haben inzwischen in vielen Kommunen dafür sensibilisierte Akteure, sowie übrigens auch sehr gute Unterstützung im bayerischen Wirtschaftsministerium für all diese Themen. Der Einzelhandel ist und bleibt für uns eine Herzensangelegenheit. In den nächsten Jahren werden wir uns daher neben den Digitalisierungsthemen auch verstärkt lokalen Kooperationsthemen widmen und diese fördern.
SAZsport: Wie gut sind Einzelhändler in der Kooperation mit ihresgleichen?
Pichlbauer: Die Wichtigkeit von Kooperationen ist erkannt und wird zunehmend stärker realisiert. Einzelhändler müssen zusammenarbeiten und nicht nur einzeln handeln. Viele Herausforderungen können wesentlich erfolgreicher gemeinsam thematisiert und gemeistert werden. Ein tolles Beispiel für einen solchen erfolgreichen Zusammenschluss aus verschiedenen Einzelhandelssparten ist die Initiative „Münchens Erste Häuser“. Bettenrid kooperiert dabei mit den Traditionshäusern Sport Schuster, Hirmer und Kustermann.

Michaela Pichlbauer 
Vorständin Rid Stiftung 
Über 1.000 Einzelhändler aus Bayern nehmen jährlich die kostenfreien Förderangebote der Rid Stiftung in Anspruch. Seit Gründung der Günther Rid Stiftung für den bayerischen Einzelhandel nahmen rund 18.000 Händler und Händlerinnen an den Programmen teil. Einmal im Jahr veranstaltet die Rid Stiftung einen Zukunftskongress, bei dem sie auch seit ein paar Jahren einen mit 10.000 Euro dotierten Innovationspreis „Handel im Wandel“ mit anderen zusammen für Händler vergibt. Das neue Programm 2019 wird am 25. Oktober 2018 auf dem Rid Zukunftskongress in München vorgestellt werden. Danach startet die Bewerbungsphase für die bayerischen Einzelhändler, die bis Ende Januar 2019 läuft. Mehr Informationen zu den aktuellen Förderprogrammen und Veranstaltungen der Rid Stiftung auf: www.ridstiftung.de.

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