Neue Geschäftsfelder 07.08.2018, 10:05 Uhr

Planet Sports sieht die Zukunft in Mobile
und Social Commerce

Seit 25 Jahren ist Planet Sports eine feste Größe im Actionsports-Markt. Geschäftsführer Dr. Henner Schwarz zeigt auf, wo der Spezialist für eine erfolgreiche Zukunft neue Geschäftsfelder erschließen will.
Planet Sports hat bereits eine bewegte Geschichte hinter sich. Im Jahr 1993 als stationärer Händler gegründet, hat sich der Spezialist bereits nach wenigen Jahren auf den Weg zum Multi- und Omnichannel-Händler gemacht. Es folgten Übernahmen durch die Arcandor-Tochter Primodo, die Puccini Holding und schließlich im Jahr 2015 durch die 21sportsgroup. Geschäftsführer Dr. Henner Schwarz begleitet das Unternehmen bereits seit sieben Jahren und hat spannende Visionen, wie sich Planet Sports für die Zukunft aufstellen kann.
SAZsport: Planet Sports feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Jubiläum. Ist das Unternehmen im Kern noch das gleiche wie vor 25 Jahren oder hat sich die Philosophie wesentlich verändert?
Dr. Henner Schwarz: Das Thema Action-sports ist nach wie vor unser Kern. Planet Sports wurde von zwei Snowboardern im Münchner Hinterland gegründet und hat dann verschiedene Entwicklungsstufen durchlaufen. Am Anfang war unser Geschäft eher stationär geprägt, dann stand das Thema Online immer mehr im Vordergrund. Ab 2011 haben wir auf Omnichannel gesetzt und deshalb auch unser Filialnetz ausgebaut. Heute spielen sich etwa 80 % des Geschäfts online ab. Wir sehen uns immer noch als Actionsports-Enthusiasten, aber zunehmend auch als Technologiefirma.
SAZsport: War der Online-Vertrieb für Planet Sports von Anfang an ein wichtiges Standbein oder eher ein netter Zusatzumsatz?
Dr. Schwarz: Ich habe mit den beiden Gründern Marcel Peters und Sven Horstmann mal über dieses Thema gesprochen. Um 1997 herum, als es mit dem ­Online-Verkauf losging, hatten sie drei Geschäfte, nämlich in Starnberg, Herrsching und Weilheim. Die beiden haben sich damals gesagt: ‚Wenn der Online-Shop vom Umsatz her mal so groß wäre wie eine der ­Filialen, dann wäre das schon super.‘ Am Anfang war E-Commerce auch kein großes Wachstumsfeld. Das hat sich dann in den 2000er-Jahren geändert, als ein Investor aus dem Internet-Umfeld ins Unternehmen eingestiegen ist. Dann ging es mit jährlich 100 % Wachstum steil nach oben.
SAZsport: 2006 lag der Online-Anteil bereits bei 70 % – in einer Zeit, in der der Online-Handel erst anfing zu wachsen, war das schon enorm hoch.
Dr. Schwarz: Allerdings. Heute haben wir natürlich eine ganz andere Vergleichs­basis. Den drei kleinen Läden im Hinterland von früher stehen jetzt zwölf Flagship-Stores in allen großen deutschen Städten gegenüber.
Seit dem Frühjahr 2016 agiert Dr. Henner Schwarz als Geschäftsführer und CFO der 21sportsgroup (Mannheim). Schwarz hat in Freiburg und Madrid Jura studiert und an der Berliner Humboldt-Universität promoviert. Außerdem ab­solvierte er ein MBA-Studium im Bereich Business Administration an der Kellogg School of Management. Seine Karriere hat Schwarz als Manager bei der Unternehmensberatung Bain & Company begonnen. Von dort wechselte er nach sechs Jahren als Leiter Strategie, Marketing und M&A (Fusionen und Übernahmen) zur Puccini Group. 2010 übernahm Puccini Planet Sports von Primodo, ein Jahr später wechselte Schwarz als Geschäftsführer zu dem Action­sports-Spezialisten.
(Quelle: Planet Sports)
SAZsport: Und ab 2007 wurde online die ­Internationalisierung forciert. Wie verteilt sich heute das Geschäft auf Deutschland und die übrigen Märkte?
Dr. Schwarz: Für uns liegt der Fokus nach wie vor auf Deutschland, wo wir aktuell drei Viertel unseres Umsatzes erwirtschaften. Wir glauben, dass wir hier noch ein gutes Wachstumspotenzial haben. Der Actionsports-Markt befindet sich ja gerade im Umbruch. Viele kleinere Spieler sind verschwunden. Auch die Lieferanten berichten, dass sich das Geschäft immer mehr auf die Key Accounts konzentriert. Das ist für uns eine Chance, die wir nutzen wollen, bevor wir uns im europäischen Ausland verzetteln. Aber wir haben auch wirklich nennenswertes Geschäft inter­national, vor allem in Frankreich, den Benelux-Ländern, Spanien und Italien. Wir führen Webshops in fünf Sprachen und können in alle europäischen Länder liefern, auch mit lokalen Dienstleistern. In Frankreich nutzen wir La Poste, in Spanien Seur und in Italien Bartolini. Das heißt, wir haben auch in diesen Ländern günstige Versandkosten, und es ist für den Kunden angenehm, mit dem Dienstleister zu arbeiten, den er kennt.
SAZsport: Zwischen 2013 und 2015 wurden pro Jahr mehrere neue Filialen eröffnet. Weshalb gab es gerade in dieser Zeit den großen Fokus auf das Stationärgeschäft?
Dr. Schwarz: Wenn man sagt, dass man
auf Omnichannel setzt, kann man nicht nur drei Läden haben. Man muss in den wich­tigen großen Städten, in denen es eine Skate- und Snowboard-Community gibt, eine Filiale führen. Das war eine Strategie, die wir damals verfolgt haben. Würden wir heute noch so stark in einen weiteren Ausbau auch in anderen europäischen Ländern investieren? Wahrscheinlich nicht. Denn wir sehen andere Felder, gerade jetzt durch unsere neuen Hauptgesellschafter im Bereich Social Commerce, wo noch größere und spannendere Geschäftsopportunitäten warten. Aber wir sind sehr dankbar, dass wir diese Läden haben, und sie funktionieren auch wirklich gut.
SAZsport: Wie entwickeln sich die Filialen aktuell weiter?
Dr. Schwarz: Die Vernetzung der Läden ist unheimlich wichtig und spannend. Als ich vor sieben Jahren bei Planet Sports angefangen habe, gab es noch den Online-Kunden und den Offline-Kunden. Das waren zwei sehr unterschiedliche Kundentypen. Heute zeigen uns Umfragen, dass sich die Kunden über alle Kanäle kreuz und quer bewegen. Deshalb setzen wir mittlerweile darauf, dem Kunden im Store das komplette Multichannel-Erlebnis zu bieten. Dazu haben wir beispielsweise gerade eine Instore-Shopping-App ausgerollt. In München, Nürnberg und Köln ist sie bereits live, in den nächsten Wochen auch in den anderen Läden verfügbar. Der Mitarbeiter kann über das iPad mit einem Knopfdruck sehen, was im Lager des Stores verfügbar ist. Außerdem ist ein kompletter Online-Shop integriert. Wenn ein Produkt vor Ort nicht vorrätig ist, kann es über die App auf Rechnung sofort zum Kunden nach Hause bestellt werden. Das ist für uns gerade ein großer Schritt nach vorne. Retouren im Store gibt es bei uns schon lange. Aber die Bestellung aus dem Laden heraus ermöglicht ein schönes Zusatz­geschäft für den Store, weil man vermeidet, dass der Kunde den Laden unzufrieden verlässt, wenn das gewünschte Produkt nicht da ist. Wird der Kunde vor Ort nicht fündig, kann der Verkäufer mit ihm auch im Online-Shop blättern. Wir nennen das Guided Shopping, da der Kunde durch den Online-Shop geführt wird. Bislang war es im stationären Handel oft so, dass der Kunde rein dahin beraten worden ist, was im Laden verfügbar ist. Das ist aber nicht unbedingt die beste Beratung für den Kunden. Wir können darüber nun hinausgehen – zum Vorteil unserer Kunden.
SAZsport: Sind noch neue Filialen geplant?
Dr. Schwarz: Wenn es eine gute Location gibt, dann schauen wir sie uns gerne an und gehen dort eventuell hin. Aber wir ­haben keinen Businessplan, der zwingend weitere Eröffnungen vorsieht. Wir glauben eher an neue Konzepte. Dazu gehört beispielsweise unsere Serie von Shopping-Events. Diese werden wir unter dem Namen „Planet Sports Convention“ im zweiten Halbjahr auch fortsetzen. Dabei geht es darum, Social-Media-getrieben ein tolles Event für den Kunden zu veranstalten, bei dem sowohl Planet Sports als Marke präsentiert wird als auch die Marken unserer Lieferanten. Solche Veranstaltungen sind für uns spannende Wachstumsfelder.
SAZsport: Es gibt aktuell die Verschiebung im E-Commerce von Desktop zu Mobile und Social. Wie stark spürt Planet Sports diese Veränderungen?
Dr. Schwarz: Das ist eine enorme Entwicklung in den letzten Jahren. Der Mobile-­Anteil ist von einer geringen einstelligen Prozentzahl auf über 50 % gestiegen. Wir entwickeln jede neue Website zuerst für Mobile und danach erst die Desktop-­Version. Das wichtigste Endgerät ist im Moment wirklich das Smartphone. Mit dem Einstieg der neuen Gesellschafter gehört ­Social Media bei uns aktuell zu den großen Themen. Seit wir mit der So­cial Chain Group zusammenarbeiten, hat sich unsere Reichweite auf Facebook vervielfacht. Und nicht nur die Reichweite, sondern vor allem auch die Engagement-­Rate, also der Messwert, der angibt, wie stark die Kunden sich auf Facebook mit uns aktiv beschäftigen. Das ist eine super Entwicklung, und wir probieren dort auch viele neue Werbeformen aus. In diesem Bereich hatten wir noch Nachholbedarf, wir konnten aber in den letzten Monaten schon viel aufholen.
SAZsport: Welche Services bietet Planet Sports als Verbindung zwischen stationärem Geschäft und E-Commerce?
Dr. Schwarz: Der Kunde kann aus dem Laden in den Laden bestellen, Click & Collect gibt es noch nicht. Da war es für uns wichtiger, dass der Kunde aus dem Laden heraus auf unser komplettes Warenlager zugreifen kann. Das ist durch die Instore-App jetzt gelöst.
SAZsport: Wie sieht es denn eigentlich mit den Retouren aus?
Dr. Schwarz: Wir machen eine ganze Menge, um unsere Retourenquote niedrig zu halten: gute Produktbeschreibungen, gute Bilder, die wir in unserem eigenen Fotostudio erstellen, eine umfangreiche Analyse der Gründe für Retouren. Im Markt steigt die Retourenquote sicherlich. Der Kunde kauft mehr online ein, retourniert aber auch mehr. Dem muss man mit verschiedenen Mechanismen begegnen. Wir sind mit unserer Retourenquote zufrieden. Sie ist wesentlich niedriger als bei manchen Fashion-Händlern, die mit um die 60 % zu kämpfen haben.

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