Europa bietet gute Chancen für den Kampfsport 10.05.2019, 08:00 Uhr

Maximum Martial Arts vereint Fitness mit Kampfsport

Boxen, Judo oder Taekwondo halten Einzug in die Fitnessstudios – doch im Vergleich zu den USA hinkt der deutsche Markt noch hinterher. Ein Unternehmen will das ändern.
Maximum Martial Arts Distribution (MMA) will in den kommenden Jahren in Europa expandieren. Das in Dortmund ansässige Vertriebs- und Logistikunternehmen wurde 2008 gegründet, um das Kampfsport-Sortiment des US-Herstellers Century Martial Arts (Oklahoma City), des US-Sportmatten­entwicklers Dollamur Sport Surfaces sowie des deutschen Sportartikelherstellers Deuser Sports im deutschsprachigen Raum zu etablieren und weiter aufzubauen. SAZsport sprach darüber mit Geschäftsführer Markus Liedtke.
SAZsport: Herr Liedtke, wie entwickelt sich Kampfsport insgesamt in Europa?
Markus Liedtke: Dadurch, dass in den letzten Jahren Fitness und Kampfsportarten immer mehr zusammengefunden haben, entwickelt sich Kampfsport gerade definitiv in Richtung Breitensport. Dies wird auch ersichtlich an den vielen Kursangeboten von Fitnessstudios. Kicks oder Schläge bzw. Punches werden heutzutage in verschiedene Fitness-Workouts mit eingebaut. So wie das schon mit dem Thema Functional Fitness vor einiger Zeit stattgefunden hat, passiert das nun auch mit Kampfsport-Elementen, die ins Training integriert werden. Auch das Thema Selbst-verteidigung war fast ausschließlich mit dem Kampfsport verknüpft – dies ändert sich. Allgemein kann man sagen, dass das Interesse an Kampfsport hierzulande weiter zunimmt, obwohl Deutschland im Gegensatz zu anderen Ländern Europas oder den USA noch hinterherhinkt.
Markus Liedtke, der Geschäftsführer der Maxium Martial Arts Distribution glaubt, dass der Fachhandel es noch nicht ganz verstanden hat, wie er Fitness und Kampfsport am PoS vereinbaren kann.
(Quelle: Maximum Martial Arts Distribution)

SAZsport: Ist das Thema im Sporthandel noch ein Nischenthema, weil es speziell ist?
Liedtke: Ich glaube, dass der Sportfachhandel das Thema zum Teil gewollt, zum Teil aber auch ungewollt weiterhin als ­Nische betrachtet. Man hat noch nicht ganz verstanden, wie Fitness und Kampfsport zusammenkommen können, und auch nicht jeder Hersteller oder Entwickler bietet Produkte an, die in diese ­Nische passen. Der Online-Handel ist noch klar im Vorteil gegenüber dem stationären Handel. Vielleicht muss der Handel auch erst neue Store-Konzepte entwickeln oder als Shop-in-Shop mit Kampfsportschulen zusammenarbeiten.
SAZsport: Was macht Ihre Marke aus?
Liedtke: Wir sind mit MMA seit 2008 Markenpartner und Distributor von Century Martial Arts. Diese Marke hat sich über die letzten 42 Jahre dadurch ausgezeichnet, dass sie sehr innovativ gewesen ist. So ist beispielsweise das, was jeder unter dem Begriff Standboxsack kennt, vor vielen Jahren von Century entwickelt worden. Die Marke hat anders als viele andere Unternehmen nie darauf gewartet, was sie kopieren kann, sondern geschaut, was sie neu erfinden oder als Trend entwickeln kann. Sie will den Kampfsport auf ein modernes Level heben. Das spiegelt sich auch im Produktsortiment wider.
SAZsport: Wie ist Ihr Vertrieb aufgestellt?
Liedtke: Über 65 Prozent unseres Vertriebs laufen über E-Commerce-Kanäle, entweder über den eigenen Online-Shop oder über die anderen klassischen Kanäle wie Amazon und andere Wiederverkäufer. Nichtsdestotrotz sind wir auch in verschiedenen Konzepten vor Ort zu finden, beispielsweise bei Kampfsportschulen, die Sportartikel anbieten und diese sozusagen als Händler für uns mitbetreuen. Im stationären Handel sind wir über verschiedene Vertriebswege vertreten. Einige unserer Kunden sind im klassischen Katalogbusiness zu Hause, wie z. B. Sport Thieme. 
Die US-Marke Century ist bekannt für den klassischen Standboxsack, den MMA in Deutschland vertreibt.
(Quelle: MMA)
SAZsport: Wie sieht Ihre Zusammenarbeit mit dem stationären Handel aus?
Liedtke: Was den klassischen Sportfachhandel betrifft, stehen wir noch ganz am Anfang. Mit Deuser Sport sind wir zwar schon bei verschiedenen Händlern zu finden, aber noch sehr vereinzelt. Dadurch, dass sich viele Händler wie Galeria Kaufhof oder andere gerade selbst wieder neu erfinden, ist es gar nicht so einfach, hier einen Platz zu finden. Auch bei Konzepten wie Decathlon oder Intersport kommt man schwer unter, weil sie sehr stark auf ihre Eigenmarken ausgerichtet sind. Unser Ziel ist es jedoch definitiv, den klassischen Sportfachhandel mehr in den Fokus zu nehmen, weil das eine Möglichkeit ist, mit unterschiedlichen Kundengruppen in Kontakt zu kommen, und weil wir unsere Marke ganz anders darstellen können. 
 
SAZsport: Welche Argumente möchten Sie dem klassischen Sporthandel an die Hand geben, warum er Kampfsport führen sollte?
Liedtke: Wichtigstes Argument ist, dass Fitness und Kampfsport immer weiter zusammenwachsen. Im klassischen Sportfachhandel gibt es natürlich schon Marken wie Everlast oder Adidas oder auch vielleicht die eine oder andere Marke für den klassischen Boxhandschuh, eine Bandage oder eine Pratze. Aber um das Sor­timent attraktiver zu machen, muss man dem Kunden auch ein Einkaufserlebnis bieten, er muss die Produkte anfassen und testen können. Das ist natürlich nicht ganz einfach auf der Fläche, aber Händler sollten nicht die 15. weiße Karate-Uniform in den Store hängen.
SAZsport: Wie entwickelt sich Ihr Unternehmen momentan und welche Ziele haben Sie für die nächste Zeit?
Liedtke: Century macht weltweit fast einen dreistelligen Millionenumsatz spartenübergreifend. Der europäische Markt bietet große Chancen, denn es gibt mehr Einwohner bzw. Konsumenten als in den USA. Der Kampfsportmarkt  in Europa ist sicherlich mehr als 50 oder 60 Mio. Euro stark. Natürlich gibt es sehr viele deutsche Mitbewerber, die in den letzten Jahrzehnten ihre Arbeit gut gemacht haben. Unser Ziel ist es, die Landkarte in Europa neu zu mischen und entsprechend Umsatzpotenziale auszuschöpfen.
Mit Century wollen wir ein neues Konzept für den europäischen Vertrieb aufbauen. Hier in Dortmund haben wir in unserem Zentrallager auch die logistische Infrastruktur, um den Handel sowohl für den E-Commerce als auch im stationären Bereich komplett betreuen zu können. Für amerikanische Unternehmen ist die komplexere Struktur Europas schwer zu verstehen, denn es gibt nicht nur eine Sprache und eine Kultur – und es gibt verschiedene Zollgrenzen, die berücksichtigt werden müssen. Die unterschiedlichen Herangehensweisen in den einzelnen europäischen Ländern sind ein Thema für Century, das sonst zu 98 Prozent in Nordamerika unterwegs ist, aber nun auch den europäischen Vertrieb richtig aufbauen will. Für den Kampfsport sieht die Zukunft sehr gut aus, wenn man es versteht, die Synergie-Effekte mit dem Fitnessbereich richtig zu nutzen.             

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