Vom wem ging die Trennung aus? 05.04.2019, 09:40 Uhr

Karstadt will kein Intersport-Partner mehr sein

Intersport und Karstadt beenden ihre strategische Partnerschaft: Eine Trennung in beiderseitigem Einvernehmen, sagt Intersport. Aus Händler- und Lieferantenkreisen sind andere Gründe ausschlaggebend. Kurzum: Karstadt braucht die Intersport nicht mehr.
Im neuen Warenhaus-Konstrukt Galeria Karstadt Kaufhof soll das Geschäftsfeld Sport gestärkt werden, teilt die Presseabteilung des Essener Unternehmens mit. Mit der großen Zahl an existierenden und künftigen Sportabteilungen sowie den bestehenden und mehreren neuen Sporthäusern an hochattraktiven Standorten verfüge der Warenhauskonzern über eine deutlich gesteigerte Einkaufskompetenz, so die Signa-Retail-Tochter, ohne dabei Zahlen zu nennen. Wie viele Sportflächen derzeit in den 174 Warenhäusern von Karstadt und Kaufhof und den 28 reinen Sportfilialen von Karstadt Sports geführt werden, ist nicht bekannt. 
Auf der ISPO sprachen Karstadt-Manager bereits darüber, jetzt ist es beschlossene Sache: Sechs der acht Filialen (bis auf Düsseldorf und Stuttgart) der Outlet-Kette Saks Off 5th (ehemals Sportarenen von Kaufhof mit noch vielen Sportverkäufern von damals) sollen geschlossen und in der zweiten Jahreshälfte in Sporthäuser von Karstadt Sports umgewandelt werden.
Hinzu komme, so die Zentrale weiter, im Zuge der Reintegration und Stärkung des Sport-Einkaufs eine wesentlich breitere und spezielle Expertise für den Beschaffungsmarkt. Aus diesem Grund würden die Einkaufsgenossenschaft von Intersport-Deutschland und die Karstadt Sports GmbH ihre Kooperation beenden. Damit entfalle auch eine etwaige Zentralregulierung von Intersport Deutschland für die Karstadt Sports GmbH zum 30. Juni 2019. 
Karstadt und Kaufhof vereinigen ihre Einkaufsteams und wollen im Sport jetzt ohne Intersport wachsen.
(Quelle: Marius Becker/dpa)
Die ersten Lieferanten hatten schon vor ein paar Tagen Mails bekommen; ihre Zentralregulierung würde nun nicht mehr über Intersport sondern über die Karstadt Warenhaus GmbH laufen. Das gelte von der Bestellung bis zur Rechnungserfassung und Regulierung auch für die Abteilungen Sports bei Kaufhof und Karstadt, die nun über den Warenkreditversicherer Euro Delkredere abgewickelt werden.
Nach anderthalb Jahren Partnerschaft zwischen Intersport und Karstadt Sports kommentiert der vom Einkaufschef zum CEO aufgestiegene Karstadt Sports-CEO Jens Dunkel: "Die Beendigung der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Intersport ist eine Folge unserer größeren Zahl von Filialen und Abteilungen und der daraus resultierenden, neuen Einkaufskompetenz."
Die erfolgreiche Partnerschaft der Tennis-Point GmbH als Teil der Signa Sports United werde hingegen fortgesetzt. „Tennis-Point feiert in diesem Jahr sein 20-jähriges Jubiläum. Damals haben wir mit einem kleinen Tennisgeschäft in Münster angefangen. Aus der Zeit resultiert auch die Erstmitgliedschaft in der Intersport“, so Christian Miele, CEO und Tennis-Point-Gründer. „Wir freuen uns sehr, dass diese Partnerschaft auch heute noch Bestand hat trotz deutlich veränderter Rahmenbedingungen. Wir planen mit Intersport als strategischem Partner für die nächsten Jahre.“ Intersport-Vorstand Frank Geisler erklärt dazu: "Wir wollen Intersport als Händlerorganisation weiter stärken und haben dabei ganz klar unsere Mitglieder im Fokus. Vor diesem Hintergrund verlängern wir die direkte Zusammenarbeit mit Tennis-Point langfristig." Tennis-Point bleibt auch weiterhin ein Intersport-Mitglied - Karstadt Sports war nur Kooperationspartner, kein Mitglied.
Über die Kooperation mit Karstadt waren vor allem die großen Intersportler verärgert.
(Quelle: Intersport)
Als der ehemalige Intersport-CEO Kim Roether im Januar 2018 die strategische Partnerschaft mit Karstadt Sports besiegelte, wurde noch von "zusammengeführten Einkaufsvolumen" und gemeinsamen Interessen auf dem Beschaffungsmarkt gesprochen. Im ersten Schritt sollte Karstadt Sports über die Intersport-Gruppe einkaufen, im zweiten Schritt sollten weitere Schwester-Unternehmen der mächtigen Signa Sports Group (Internetstores mit unteren anderen Fahrrad.de, Tennis-Point, Outfitter, etc.) in den Verband eintreten. Doch zu einer Mitgliedschaft dieser Töchter ist die Partnerschaft nicht vorgedrungen, so waren beim letzten Netzwerkforum der Sport2000-Mutter ANWR weiterhin Internetstores und Outfitter als Sport-2000-Mitglieder zugegen.
Viele Intersport-Händler waren über den Eintritt von Karstadt nicht glücklich, weil sie sich quasi den langjährigen Erzfeind in den Verband holten. Offiziell heißt es aus Heilbronn dazu:
"Das Meinungsbild innerhalb der Intersport-Mitglieder ist hinsichtlich unserer Partnerschaft mit Signa differenziert zu betrachten. So wie es Stimmen gab, die die Partnerschaft nicht nachvollziehen konnten, gab es genauso viele Stimmen, die die Kooperation für richtig und sinnvoll hielten." Für die Intersport-Händler erhöhten sich aufgrund der gestiegenen Einkaufsvolumen im Verband auch die Rückvergütungen. Für die zentralregulierten Volumen von Karstadt Sports bei Intersport erhöhten sich aber auch für die Hersteller die Höhe der gezahlten Boni in Summe. Das Bundeskartellamt hatte sich bei seiner Genehmigung der Fusion von Karstadt und Kaufhof vorbehalten, diese Einkaufskooperation zwischen Intersport und Karstadt wettbewerblich genauer zu prüfen, weil Lieferanten die Sorge geäußert hätten, dass diese im Zuge ihrer neuen Einkaufsmacht Konditionenverbesserungen forderten.
Karstadt Sports geht wieder seinen eigenen Weg als Spezialsparte der Warenhaus GmbH.
(Quelle: Wikipedia)
Die Gespräche der Lieferanten mit Karstadt Sports verliefen, wie SAZsport aus Lieferanten- und Händlerkreisen berichtet wurde, unterschiedlich. Demzufolge soll Adidas mit den geforderten Konditionen nicht einverstanden gewesen sein, deshalb hätten die Herzogenauracher vor Kurzem den Vertrag, über die bei Intersport regulierten Karstadt Sports-Umsätze gekündigt. Auch von Intersport-Seite seien die Karstadt ursprünglich versprochenen Konditionen letztendlich nicht eingehalten worden, deshalb sei der Austritt bei der Intersport von Karstadt ausgegangen. Nicht zuletzt Jörg Peter Schmiddem, der neue Chef des strategischen Einkaufs von Karstadt-Kaufhof, ist für seine harten Konditionsverhandlungen bekannt.
Intersport-Sprecher Michael Steinhauser lagen zum Thema Konditionen auf SAZsport-Anfrage keine Informationen vor aber er antwortete: "Die Gespräche über das Ende der Kooperation mit Karstadt sind allerdings aus strategischen Gründen erfolgt, weil wir uns zu einer kundenzentrierten Händlerorganisation neu ausrichten. Umgekehrt hat Karstadt seine Beweggründe ebenfalls dargelegt. Der Schritt der Trennung ist demnach einvernehmlich erfolgt." Ein Hersteller, der sowohl über Intersport als auch über Euro Delkredere reguliert wird, freut sich über diesen Schritt von Karstadt: "Für uns ist es bei Euro Delkredere jetzt besser, weil wir am Ende zwei Prozent besser fahren als über die Intersport."

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