Kehrtwende bei der Marktplatz-Strategie 05.08.2019, 16:10 Uhr

Intersport forciert jetzt den Verkauf über Plattformen

Die kooperative Händlerplattform reicht Intersport als Online-Kanal nicht mehr aus. Deshalb unterstützt der Verband seine Händler jetzt dabei, auch über andere Plattformen, zum Beispiel Amazon, zu verkaufen. Zur Strategie gehört auch eine Kooperation mit Sportmarken24.
Über Sportmarken24 verkaufen bereits jetzt einige Intersport-Mitglieder via Amazon.
(Quelle: Amazon )
Insbesondere beim Abverkauf von Altware über das Internet will Intersport seine Mitglieder deutlich stärker unterstützen. Dazu wird ab sofort das Label Budget Sport genutzt, unter dem der Verband nun die Altbestände seiner Mitglieder vermarktet. In einem ersten Schritt ist es den Verbandsmitgliedern möglich, unter diesem Namen ihre Restware auf Amazon anzubieten. Zugleich will Intersport die Händler mit neuen Services beim E-Commerce unter die Arme greifen. Dazu gehören unter anderem Stamm- und Artikeldatenpflege, Content-Aussteuerung und SEA-Maßnahmen (SEA = Search Engine Advertising = Suchmaschinenwerbung).
Das Label Budget Sport ist übrigens nicht neu. Die Marke gehört der Intersport International Corporation (IIC). Diese betreibt mit dem Label seit über zehn Jahren in Finnland ein „Low Cost“-Konzept. Der erste stationäre Laden wurde 2006 in Vantaa (nördlich von Helsinki) eröffnet, acht weitere Geschäfte folgten. Seit 2009 ist Budget Sport auch mit einem Online-Shop im Netz vertreten.
Unter dem Label Budget Sport führt die IIC bereits Stores und einen Webshop in Finnland.
Quelle: Intersport
Budget Sport verfolgt in Finnland einen für Intersport eher untypischen Ansatz: Laut der Website des Filialisten, hat sich dieser auf die Fahne geschrieben, „der einfachste, billigste und effektivste Spieler im Sporthandel zu sein“. Einfachheit bedeutet dabei, dass der Kunde sich auch ohne Verkäufer im Laden zurechtfinden und die richtige Produktauswahl treffen können soll, was zum Beispiel durch „handy-freundliche Läden“ und umfassende Produktinformationen erreicht werden soll. Darüber hinaus setzt Budget Sport extrem stark auf Rabattaktionen und Produkte in Einstiegspreislage. Seine Effizienz erreicht der Filialist laut der eigenen Homepage unter anderem durch ein „hohes Maß an Selbstbedienung, effiziente Logistik, eine schlanke Organisation sowie zentrale und umfangreicher Beschaffung“. Ob das internationale Konzept in Deutschland nicht nur online, sondern auch stationär ausgerollt wird, bleibt vorerst abzuwarten.

Kooperation mit Sportmarken24

Um auch jenen Händlern einen Einstieg in den E-Commerce und insbesondere in das Plattformgeschäft zu ermöglichen, die bislang rein stationär agieren, arbeitet Intersport ab sofort mit Sportmarken24 zusammen. Die von Valeska Benner und Intersport-Mitglied Joachim Kiegele gegründete Plattform ermöglicht einen vertrieb nicht nur über den Sportmarken24-Shop, sondern auch über daran angebundene Drittplattformen wie Amazon, Ebay, Real, Klingel oder Mirapodo. Die Händler müssen dazu recht geringe Voraussetzungen erfüllen: Benötigt werden lediglich ein gängiges Warenwirtschaftssystem sowie ein PC mit Internetanschluss. Durch die Kooperation ist es Intersport-Mitgliedern nun auch möglich, Produkte der Eigenmarken des Verbands über Sportmarken24 zu vertreiben. Sowohl beim Verkauf über Amazon oder Ebay wie auch bei der Partnerschaft mit Sportmarken24 stellt Intersport für die Händler sicher, dass über die neuen Verkaufskanäle nur Waren jener Industriepartner angeboten werden, die dies entsprechend der Vereinbarungen auch genehmigen.

Sportmarken24 will mit Intersport sein Wachstum antreiben

Die Plattform Sportmarken24 ermöglicht stationären Händlern auch ohne jegliche Vorkenntnisse den Einstieg in den E-Commerce.
Quelle: Sportmarken24
„Keine andere Plattform erzielt über die Vielzahl der angebundenen Kanäle im Sportbereich so eine hohe Reichweite wie SportMarken24. Wir sind davon überzeugt, durch die Kooperation mit Intersport eine hervorragende zusätzliche Vertriebsmöglichkeit geschaffen zu haben, von der beide Seiten profitieren“, erklärt Valeska Benner, Geschäftsführerin von Sportmarken24 zu der Zusammenarbeit. Aktuell sind an die Plattform von Sportmarken24 mehr als 60 Händler mit insgesamt über 150 Filialen angeschlossen. Über diese befinden sich derzeit bereits mehr als 100.000 Artikel im System der Plattform. Vor knapp einem Jahr stand der Zähler noch bei 35 Händlern mit etwa 100 Filialen. Ziel von Valeska Benner ist es, in den nächsten Jahren über 500 Filialen dazuzugewinnen.
Etwa zwei Drittel der Händler, die bislang mit Sportmarken24 zusammenarbeiten, sind Intersport-Mitglieder. Der Grund dafür liegt im Mitgründer der Plattform, Joachim Kiegele. Dieser führt selbst fünf Intersport-Geschäfte und ein Outlet im Rhein-Main-Gebiet und förderte von Anfang an einen engen Kontakt zu Intersport. „Wir sind aber bewusst verbandsunabhängig und schließen Kooperationen mit anderen Verbänden nicht aus“, sagt Benner, die seit Mitte letzten Jahres als alleinige Geschäftsführerin der Plattform fungiert. Der große Zuspruch und das Wachstum von SportMarken24 habe eine Neuaufstellung erfordert, Joachim Kiegele fokussiere sich nun auf seine stationären Geschäfte, während sie selbst sich um das Mitarbeiterteam von Sportmarken24 kümmere. Im Gegensatz zu Kiegele, der im letzten Jahr eine künftige Zusammenarbeit mit Herstellern noch nahezu völlig ausgeschlossen hat, schränkt Benner dies nun nicht so stark ein: „Unsere Herkunft und unser Fokus sind klar stationäre Einzelhändler. Dennoch will ich auch Kooperationen mit Herstellern nicht ausschließen.“

... weitere interessante SAZsport Themen