275 Mitarbeiter betroffen 29.07.2019, 11:28 Uhr

Intersport Voswinkel schließt 21 Filialen

Seit dem 24. April dieses Jahres befand sich Intersport Voswinkel unter einem Schutzschirmverfahren. Mit einem Beschluss vom 25. Juli hat das Amtsgericht Dortmund nun die Eröffnung des Insolvenzverfahrens angeordnet. Dies hat die Schließung von 21 Filialen zur Folge.
Das Insolvenzverfahren von Intersport Voswinkel, das zum 25. Juli vom Amtsgericht Dortmund eröffnet wurde, hat einschneidende Folgen für das Unternehmen und vor allem für dessen Mitarbeiter. Bis zum 31. Oktober 2019 sollen 21 der aktuell 72 Filialen geschlossen sowie das Warenverteilzentrum in Bochum und die Zentrale in Dortmund personell verkleinert werden. Davon sind insgesamt 275 Mitarbeiter betroffen. Die Geschäftsführung habe, so gibt Voswinkel bekannt, mit dem Betriebsrat einen Interessensausgleich und einen Sozialplan vereinbart und am Wochenende die Mitarbeiter über die Lage informiert.
„Wir bemühen uns weiterhin, für die betroffenen Filialen einen Käufer zu finden und so möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten. Zurzeit prüfen wir die vorliegenden Angebote“, erklärt Marcus Neul, Geschäftsführer der Sport Voswinkel GmbH & Co. KG. Anfang Juni hatte Intersport Voswinkel bekanntgegeben, dass für das Unternehmen oder auch einzelne Filialen neue Eigentümer gesucht werden. Nicht nur neue Investoren, sondern auch andere Intersport-Mitglieder sollten die Möglichkeit erhalten, Standorte zu übernehmen. Die „Bewerbungsfrist“ für die Filialen lief bis zum 17. Juli.

21 statt 30 Filialen werden geschlossen

Ursprünglich war noch die Schließung von neun weiteren Filialen vorgesehen gewesen. Diese habe aber durch erfolgreiche Verhandlungen mit den Vermietern der jeweiligen Läden abgewendet werden können.
Folgende Filialen stehen jetzt vor dem Aus:
  • Baunatal (Ratio-Land)
  • Berlin (Schultheiss Quartier und Gesundbrunnen-Center)
  • Bielefeld-Schildesche: Laut der „Neuen Westfälischen“ sind neun Vollzeitarbeitsplätz betroffen.
  • Cuxhaven
  • Dietzenbach
  • Duisburg (Königsgalerie)
  • Düsseldorf (Bilk-Arkaden)
  • Hagen (Eberfelder Straße)
  • Hamburg (Hamburger Meile)
  • Hannover (Outlet Varrelheide)
  • Hildesheim (Arneken-Galerie)
  • Koblenz (Carl-Zeiss-Straße)
  • Köln (Arcaden)
  • Lübeck
  • Münster
  • Oldenburg (Schlosshöfe)
  • Recklinghausen
  • Stuttgart (Gerber Centrum und Milaneo)
  • Wiesbaden
  • Wuppertal: Hier wird der Mietvertrag erst zum 30. März 2020 beendet.
„Der Einsatz unserer Mitarbeiter ist trotz der schwierigen Lage seit April beeindruckend: Sie standen und stehen hinter Sport Voswinkel und haben es ermöglicht, den Geschäftsbetrieb in vollem Umfang fortzuführen. Die Schließung der Filialen und damit den Wegfall von Arbeitsplätzen bedauern wir außerordentlich. Aber wir müssen diesen Schritt gehen, um das Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen und es zu erhalten. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir nach der Sanierung, also ab Ende Oktober, wieder gut am Markt aufgestellt sind und wieder erfolgreich agieren können“, so Neul.
Zum 24. April 2019 hatte Intersport Voswinkel ein sogenanntes Schutzschirmverfahren eingeleitet. Es handelt sich dabei um eine Sonderform des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung, das nur Unternehmen offensteht, die Aussicht auf Sanierung haben. Während des Schutzschirmverfahrens hatte die Agentur für Arbeit die Zahlung der Löhne und Gehälter der Mitarbeiter übernommen. Ab dem 1. August werden diese wieder vom Unternehmen selbst gezahlt. Ziel der eingeleiteten Maßnahmen ist es, das Insolvenzverfahren zum 31. Oktober 2019 wieder aufzuheben.

Weiterhin Sanierung in Eigenverwaltung

Auch nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens durch das Amtsgericht Dortmund bleibt Voswinkel in Eigenverwaltung. Das heißt, die unternehmerische Verantwortung liegt weiterhin in den Händen der Geschäftsführer Anne-Lena Schulte-Angels und Marcus Neul, die vom Sanierungsexperten Dr. Lorenzo Matthaei von der Kanzlei Finkenhof Rechtsanwälte (Frankfurt/Main) unterstützt werden. Wegen der Eigenverwaltung wird durch das Amtsgericht kein Insolvenzverwalter eingesetzt, sondern ein sogenannter Sachwalter. Es handelt sich dabei um Dr. Christoph Schulte-Kaubrügger von der Kanzlei White & Case (deutschlandweit 23 Standorte). Der Sachwalter fungiert ähnlich wie ein Aufsichtsrat und überwacht das Verfahren im Interesse der Gläubiger.
Intersport Voswinkel führt aktuell noch 72 Filialen und beschäftigt rund 1.200 Mitarbeiter, etwa 60 davon direkt in der Zentrale in Dortmund. Der anstehende Kahlschlag bedeutet, dass ein Drittel der Stores in den nächsten drei Monaten wegfallen wird. Damit will sich der Händler, dessen Umsätze stark rückläufig waren, gesundschrumpfen. Im Geschäftsjahr 2017/18 wurden 139 Mio. Euro erwirtschaftet, was im Vergleich zum Vorjahr (ca. 146 Mio. Euro) ein Minus von rund fünf Prozent bedeutete.

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