Relaunch des Online-Shops 04.06.2019, 07:33 Uhr

Intersport Austria will alle Händler online bringen

Ohne große Ankündigung hat Intersport Austria vor wenigen Tagen einen völlig überarbeiteten Online-Shop ins Netz gebracht. Aus dem einfachen Webshop des Verbands soll Zug um Zug eine Händlerplattform werden, erste Mitglieder stehen dafür schon in den Startlöchern.
Der neue Webshop von Intersport zeichnet sich unter anderem durch eine sehr emotionale Bildsprache aus.
(Quelle: Intersport Austria )
Fast schon heimlich erfolgte vor wenigen Tagen der Relaunch der Website Intersport.at. Der Shop von Intersport Austria wirkt moderner, die Bildsprache intensiver, die Benutzerführung klarer. Doch das eigentlich Neue versteckt sich unter der Oberfläche: der Shop des österreichischen Verbands wandelt sich zur Plattform. SAZsport sprach mit Thorsten Schmitz, dem CEO von Intersport Austria, und Marcel Verhofnik, Geschäftsführer der Intersport Digital Business GmbH, über die Veränderungen und die Ziele, die der Verband damit verfolgt.
SAZsport: Der Relaunch Ihres Webshops hat ohne große Ankündigung stattgefunden. Warum wurde er bislang noch nicht publik gemacht?
Thorsten Schmitz: Wir haben uns für einen „stillen“ Launch entschieden, weil wir es für sinnvoll gehalten haben, etwas leiser zu starten und erst Testläufe zu fahren, bevor wir groß in die Werbung gehen.
SAZsport: Gab es schon eine Testphase mit einzelnen Stores?
Thorsten Schmitz, Geschäftsführer von Intersport Austria
(Quelle: Intersport Austria)
Schmitz:
Ja, die Plattform, die wir einsetzen, kommt von der Intersport International Corporation und wurde zuerst in Ungarn getestet. Zu unserem Fünf-Länder-Verbund gehören neben Deutschland und Österreich ja auch Tschechien, die Slowakei und Ungarn. Wir haben dort begonnen, den neuen Shop auszurollen, und haben die Erfahrungen daraus mit in den Relaunch in Österreich genommen.
SAZsport: Was hat sich mit dem neuen Shop alles verändert?
Marcel Verhofnik: Der wesentlichste Veränderungsschritt war, dass wir mit dem Launch der neuen Plattform nun auch eine Technologie haben, die wir zur Händlerplattform weiterentwickeln können. In Ungarn hatten wir vom ersten Tag an gleich einen Standort angeschlossen, den größten nahe Budapest. Dort wurde von Anfang an vom Standort aus Ware an die Kunden verschickt. Das war für uns ein sehr wichtiges Pilotprojekt, um Prozesse einzutrainieren. Es gibt dort inzwischen mit einer Tabletlösung eine sehr intelligente Möglichkeit, aus dem Standort heraus innerhalb kürzester Zeit die Ware zu verpacken und zu versenden. Durch diesen Piloten haben wir sehr viel gelernt und werden deshalb in Österreich in den nächsten Wochen und Monaten sukzessive Standorte anschließen, die dann auch verschicken können. Zum Kunden hin zeigt sich diese Veränderung allerdings nicht, denn er kauft weiterhin bei Intersport. Für ihn soll das Ganze so einfach und bequem wie möglich gestaltet werden. Die Frage, wer dann letztendlich verschickt, ist für den Online-Bestellenden meist nicht so wichtig. In Richtung des Kunden haben wir eine gute technische Basis, auf der wir uns auch relativ schnell weiterentwickeln können. Wir konnten zusätzlich von vielen Marken besseren Content einspielen, aber auch das wird weiterhin noch ausgebaut, um die Produkte online so greifbar wie möglich darzustellen.
SAZsport: Sieht der Kunde an irgendeiner Stelle, von welchem Händler die Ware verschickt wird?
Verhofnik: Nein, das sieht der Kunde nicht.
Schmitz: In der ganzen Sache schwingt natürlich immer noch der Respekt mit, den viele vor den Veränderungen haben, die die Digitalisierung mit sich bringt. Wir wollen unseren Händlern aufzeigen, dass sie den Online-Handel als große Chance verstehen können, weil wir stationär und online nun problemlos verknüpfen können. Die Mitglieder können nun Pakete an Kunden verschicken, die nicht im Geschäft waren, nun aber trotzdem Kontakt haben und möglicherweise künftig stationäre Kunden werden – weil sie entweder von Intersport begeistert sind oder weil sie zum Händler kommen, wenn die Ware vielleicht doch nicht passt. In diesem Moment wird für das Mitglied spürbar, welche Chancen in der Verzahnung liegen. Das ist für uns der größte Antrieb für die Händlerplattform. Jedes Mitglied soll die Chance haben, an diesem Markt teilzunehmen.
SAZsport: In Ungarn sind schon Händler angeschlossen. Wie sieht es aktuell in Österreich aus?
Marcel Verhofnik, Geschäftsführer der Intersport Digital Business GmbH
(Quelle: Intersport Austria)
Verhofnik:
In Österreich sind noch keine Händler angebunden. Wir haben aber eine sehr lange Liste von Bewerbern, die sich bereits angemeldet haben und die wir in den nächsten Wochen integrieren werden. Von technischer Seite sind wir schon so weit, dass es jederzeit losgehen kann. Wir starten soeben mit den Trainings für die Mitarbeiter an den Standorten. Es gab in Tschechien schon Schulungen mit über 80 Teilnehmern, weil dort in Kürze dasselbe System ausgerollt wird. Mit den Vorbereitungen befinden wir uns gerade mitten in der heißen Phase. Wir werden aber im Sommer die ersten Standorte angeschlossen haben.
Schmitz: Das Entscheidende ist aber, dass wir auch aktuell verkaufsfähig sind: Es gibt Sortimente online und die entsprechenden Lagerbestände dazu sind vorhanden.
SAZsport: Wie viele Händler werden dann bis Jahresende etwa dabei sein?
Verhofnik: Das hängt am Ende von der Mitwirkungskraft und dem Interesse der Händler ab. Ich rechne mit 30 bis 40 Händlern.
SAZsport: Und wie sieht das Ziel für die nächsten zwei Jahre aus?
Verhofnik: Ich bin davon überzeugt, dass wir in den nächsten ein, zwei Jahren in Österreich flächendeckend fast alle Händler angebunden haben werden. Wir haben in den letzten Wochen schon äußerst positive Resonanz bekommen, von jeglicher Mitgliedergröße. Darunter sind auch kleine Händler mit einem einzelnen Standort in einer Tourismusregion, die jetzt sagen, dass sie die Kunden in ihrem Einzugsbereich künftig online bedienen wollen. Durch diese Rückmeldungen bin ich zuversichtlich, dass bald flächendeckend alle Händler angeschlossen sind.
Schmitz: Der Händler findet sich auch auf der Plattform gut wieder. Er hat immer eine individuelle Landingpage, wo er sein Unternehmen darstellen kann, sodass er sich mit seiner regionalen Stärke neben der Dachmarke Intersport präsentieren kann. Der Händler steht also künftig vor der Entscheidung, ob er noch eine eigene Internetpräsenz braucht, wenn er sich auf unserer Plattform gut aufgehoben fühlt. Außerdem erhält er natürlich eine wesentliche Verbesserung hinsichtlich der Inhalte. Wir haben sehr viel Content auf der Seite, der auch international eingespielt wird. Dadurch werden die Kunden mit umfangreichen Inhalten und zunehmender Warenauswahl versorgt.
SAZsport: Wie wird die Plattform dann im Laden des Händlers sichtbar?
Darf auch bei Intersport Austria nicht fehlen: das Thema Sneaker
(Quelle: Intersport Austria)
Verhofnik:
Einerseits werden die Verkäufer mit Tablets ausgestattet, andererseits gibt es auch einige Kiosklösungen, die wir gerade an Teststandorten wiederaufleben lassen. Ich bin aber der Überzeugung, dass vor allem die Transaktion eher auf den Tablets stattfinden wird. Gerade die kleineren Geschäfte haben dann viel Potenzial über die verlängerte Ladentheke, weil wir dort ein riesiges Sortiment anzeigen können im Vergleich zu dem, was im Geschäft vorhanden ist. Und über ein mit dem Tablet verbundenes Kartenterminal kann die Zahlung der Bestellung auch direkt auf dem Tablet für den Kunden abgewickelt werden. Ob sich ein Kunde selbst an ein großes Terminal stellt und dort vertrauliche Informationen eingibt, werden die ersten Tests zeigen. Aber um die Sortimentsbreite darstellen zu können, haben wir natürlich auch größere Bildschirme, die wir derzeit testen, weil dadurch die Emotionen, die Content und Produkte hervorrufen sollen, einfacher zu transportieren sind.
SAZsport: Haben Sie in anderen Ländern schon Erfahrungen gemacht, wie gut die Schulungen des Verkaufspersonals von diesem angenommen werden?
Verhofnik: Wir waren selbst sehr positiv überrascht, wie optimistisch und wie konstruktiv die Leute am Standort in Ungarn mit uns zusammengearbeitet haben. Ich hatte mehr Skepsis erwartet. Aber innerhalb von zwei, drei Tagen war der Prozess soweit verinnerlicht, dass die Bestellungen problemlos abgewickelt werden konnten. Da haben wir sehr aufgeschlossene Kollegen, die alles sehr gut annehmen, weil sie verstanden haben, dass der Online-Handel auf diese Weise keine Gefahr, sondern eine riesige Chance ist.
Schmitz: Das liegt auch im guten Verkaufsberater-Gen. Wenn ein guter Verkäufer sagen kann, dass er ein Produkt zwar gerade nicht im Laden hat, es aber sofort auf dem Tablet griffbereit hat, dann ist das nicht nur ein Anspruch an Modernität und Digitalisierung, die ja in aller Munde ist, sondern er kann trotzdem einen Kundenwunsch befriedigen. Er kann das Produkt zum Kunden nach Hause schicken oder in die Filiale bringen lassen. Von daher ist die Akzeptanz bei den Verkäufern gegeben, weil sich die Verkaufschance erhöht. Wichtig ist aber in diesem Zusammenhang wirklich, dass wir das Personal intensiv schulen, bevor wir die Shops anbinden. Nichts ist schlimmer, als wenn man ein gutes Thema neu aufsetzt, aber den Erstkontakt zum Kunden dann vermasselt. Das Personal muss professionell auftreten, muss wissen, was es mit dem neuen Tool machen kann, und es soll dadurch den Kunden begeistern.
SAZsport: Wie lange hat der Relaunch bis jetzt gedauert?
Verhofnik: Wir waren wie gewohnt sehr sportlich unterwegs und haben das in etwa acht Monaten durchgezogen. Bei der Technologie gab es natürlich schon Grundlagen, auf denen wir aufbauen konnten. Nach acht Monaten war jetzt der Zeitpunkt erreicht, wo wir live gehen konnten, auch wenn noch nicht alles ganz perfekt ist. Wir wollen noch viel verbessern.
Die Benutzerführung im neuen Webshop ist übersichtlich, Filter ermöglichen eine einfache Eingrenzung der Produkte auf das Gesuchte.
(Quelle: Intersport Austria)
SAZsport: Welche Steigerung des E-Commerce-Umsatzes erwarten Sie sich durch die neue Plattform?
Schmitz: Im Moment liegt der E-Commerce-Anteil noch im einstelligen Prozentbereich, was sicherlich niedrig ist, aber für Österreich, das allgemein online noch weniger aktiv ist als Deutschland, liegen wir da in einem normalen Bereich. Ohne dass wir uns auf genaue Zahlen festlegen: Wir sehen mit der neuen Plattform ein enormes Potenzial, wie sich der E-Commerce-Anteil entwickeln kann.
SAZsport: Wie verändern sich die logistischen Prozesse, wenn die Händler in Zukunft viele Pakete selbst verschicken?
Verhofnik: Die Rolle des Zentrallagers ändert sich natürlich, weil wir uns dann noch mehr darauf konzentrieren müssen, dass die Standorte schnell nachbestückt werden. Insgesamt werden wir wesentlich weniger Pakete direkt an die Kunden verschicken. Aber dadurch, dass das Volumen im E-Commerce in ganz Österreich stark steigen wird, ist das Gesamtvolumen, das wir in der Logistik in Wels abwickeln, tendenziell steigend.
SAZsport: Und wie sieht das beim Händler aus? Muss dieser dann mit einer größeren Lagerhaltung rechnen?
Schmitz: Nein, größere Lagerhaltung ist nicht nötig. Es wird sicherlich darauf hinauslaufen, dass der Händler in seiner Budgetplanung berücksichtigt, dass er auch über den Online-Kanal verkauft und Pakete verschickt. Daher wird der Händler mit einem erhöhten Einkaufsbudget in die Orderrunde kommen. Aber hier ist nicht die Zielsetzung, dass er sich alles aufs Lager legt, sondern dass wir dann nach wie vor die Nachversorgungsfunktion erfüllen, sodass der Händler eine gute Verfügbarkeit auf der Fläche hat, unabhängig davon, ob die Ware dann über die Kasse direkt oder über den Versand verkauft wird. Wir wollen nicht, dass sich die Läger in den Filialen erhöhen und wir dadurch Lagerumschläge reduzieren, sondern wir werden die Direktbelieferung bei Bedarf auf den Online-Verkauf abstimmen.
SAZsport: Beim Vergleich des alten mit dem neuen Shop fällt auf, dass der Verleih nicht mehr so prominent sichtbar ist. Wieso ist das so?
Schmitz: Wir haben den Saisonwechsel vom Winter zum Sommer vollzogen, was den Auftritt von Intersport Rent im aktuellen Release verändert hat. Im Rent-Bereich wird das Thema Bike zwar gerade immer wichtiger, aber im Moment hat es noch nicht das gleiche Niveau wie Ski erreicht. Ziel ist, dass wir Intersport Rent wieder prominent integriert haben, bevor die großen Skibuchungen losgehen. Und dann soll dieser Bereich noch präsenter sein, als das in der Vergangenheit der Fall war. Die Buchung kann dann über die Plattform erfolgen und der Kunde wird entsprechend weitergeleitet. Wir wollen außerdem den Bereich Service und Community noch weiter ausbauen, um den Kunden noch enger an die Marke Intersport zu binden, über Themen, die über den reinen Produktverkauf hinausgehen. Wir gehen den Fragestellungen nach, wie man den Kunden über Running-Communities binden kann, wie man ihn über Veranstaltungen wie Wandertage erreicht. Wir werden auch Gesundheits- und Ernährungsthemen auf die Plattform bringen.
SAZsport: Für welchen Zeitraum ist der zweite Release geplant?
Verhofnik: Wir rechnen damit, dass wir in den nächsten Wochen schon soweit sein werden.
SAZsport: Und gibt es noch weitere Pläne, die Sie hinsichtlich E-Commerce und Online-Auftritt in diesem Jahr noch umsetzen wollen?
Verhofnik: Die Ideenliste ist endlos lang. Wir haben erst in der letzten Woche weit über 50 Themen zusammengetragen, die wir in den nächsten Monaten und Jahren auch umsetzen wollen. Zentrale Antriebsfeder für all diese Überlegungen ist natürlich auch immer die Frage, wie wir unsere guten Serviceleistungen an den Standorten online noch besser kommunizieren und einbinden können. Wir wollen den Mehrwert, den wir durch die regionale Präsenz liefern können, deutlich zeigen. Es soll beispielsweise möglich werden, sich direkt einen Termin für eine Laufanalyse zu buchen oder auch eine Beratung beim Spezialisten am Standort für einen bestimmten Produkterlebnisbereich. Da haben wir noch viel in der Schublade und werden gemeinsam mit den Kollegen im Fünf-Länder-Verbund konsequent ein Thema nach dem anderen abarbeiten, damit wir den Kunden auch online bald einen signifikanten Mehrwert bieten können im Vergleich zu den E-Commerce Pure Playern, die diese Stärken nicht ausspielen können.

... weitere interessante SAZsport Themen