So positionieren sich modische Sportmarken 03.05.2019, 08:00 Uhr

Der Sporthandel ist erster Ansprechpartner

Hochwertige Sport- und Sportswearmarken geben in Sachen Style und Fashion Gas. Ihre Kollektionen sind immer öfter auch bei Fashionistas ein "Must-have". Wo sich diese Marken zu Hause fühlen, und wie sie sich in Zukunft positionieren wollen, lesen Sie hier.
SAZ Sports & Fashion fragte Händler:
Sport durchdringt die Mode immer ­stärker und umgekehrt. Gerade Sportmarken mit hohem Modegrad schielen aufs Fashion-Business. Viele Sportbrands mischen im Modehandel mit und haben den Markt als strategisches Wachstumsfeld ausgemacht, vor allem Giganten wie Adidas, Nike, Puma, Reebok und Co. SAZ Sports & Fashion fragte modische Active­sports-Marken, wie sie sich positionieren.

Ulli Ehrlich

Geschäftsführerin Sportalm
Nach wie vor dominiert der Sporthandel, aber der Modehandel wacht schön langsam auf. Bei unserer modischen Sportkollektion funktioniert bereits beides. Ob Sport- oder Modehandel, in beiden Fällen legen wir viel Wert auf ein entsprechend hochwertiges Umfeld. Schließlich sprechen wir die Kunden an, die Designer-Mode kaufen und entsprechende Kleidung auf der Piste tragen wollen. Um hochwertige, modische Marken zu verkaufen, muss deshalb nicht nur das Umfeld stimmen, auch die persönliche Betreuung und ein guter Service sind von großer Relevanz.

Hans Taubenberger

Gründer und Geschäftsführer Toni Sailer
(Quelle: Toni Sailer)
Wir sehen Toni Sailer eher im Sporthandel platziert, weil neben dem modischen Design die Bekleidung sehr aufwendig verarbeitet ist und hochwertige Funktionsmaterialien eingesetzt werden. Hier ist der Sporthändler mit seinem technischen Know-how ein starker Partner für uns. Er kann den Kunden fachkundig die Kollektion erklären und ihn beraten, was der klassische Modehandel oft nicht bieten kann. Zudem passt das Markenumfeld in der Regel besser … Die Skibekleidung von ­Toni Sailer ist zwar im klassischen Modehandel eher weniger vertreten … Dennoch wird … auch die Zusammenarbeit mit Modehändlern angestrebt, die bereits ein Skiwear-Segment im Angebot haben und dadurch die Kompetenz für den Verkauf von Funktionstextilien besitzen. Letztendlich profitieren doch beide, die Sport- und Modebranche, von den Athleisure- und Sportswear-Trends. Die Modemarken machen damit ein weiteres Wachstumssegment für sich auf. Die Sportmarken bekommen durch den Trend noch mehr Relevanz und können auch mit modischeren Kreationen punkten.

Lothar Heinisch

Countrymanager Descente
(Quelle: Descente)
Unsere Sport-Kollektionen sind nur im Sporthandel zu finden, während die Linien Trend, Life Style und Essential sowohl im Sport- als auch im Modehandel denkbar sind. Mit Allterrain haben wir außerdem eine spezielle Linie für den Modehandel konzipiert. Es ist selbstverständlich, dass Top-Häuser wie zum Beispiel Breuninger, Engelhorn, Kadewe und Reischman, die schon immer ein großes Sportbekleidungs-Sortiment haben, unsere Sportlinien führen können. Obwohl unsere Wurzeln traditionell im aktiven Sportsegment liegen, konnten wir uns ebenso im modischen Bereich mit den Linien Premium und Glamour Sport einen Namen machen – natürlich bleibt auch hier die Funktion im Fokus.

Kaspar Frauenschuh

Geschäftsführer Frauenschuh
Wir positionieren uns ganz klar im gehobenen Sporthandel, wo sowohl ein hochwertiges Umfeld als auch die Liebe zu unserem Produkt vorhanden sind. Denn nur so funktioniert ein guter Abverkauf von Premium-Skibekleidung. Uns ist es wichtig, dass unsere Werte wie Qualität, Langlebigkeit, Ökologie und Authentizität vom Handel nach außen getragen werden. Schließlich liefern wir kein Mainstream, sondern Luxusware mit eigener Handschrift, die in kleinen, familiengeführten Manufakturen angefertigt wird. Das hat seinen Preis. Deshalb müssen wir uns auch auf unsere Händler verlassen können, dass nicht bereits im Dezember die Ware heruntergesetzt wird.

Rico Dürst

Brand Director Mountain Force
(Quelle: Mountain Force)
Mountain Force steht für dynamische Eleganz. Wir sehen uns im technisch-modischen Sporthandel. Rein „Fashion“ passt nicht zu unserer DNA. Für den reinen Modehandel ist die Marke zu technisch, die wird dort nicht gesucht. Außerdem sind hochwertige Marken wie Mountain Force beratungsintensiv. Um diese Nachfrage optimal zu bedienen, braucht es viele beratungsfähige Handelspartner. Dem Kunden muss der Mehrwert wie Komfort und Funktion erklärt und erlebbar gemacht werden. Nur so versteht er, was er für sein Investment bekommt.

Christian Mascarenhas

Head of Marketing Kjus
Kjus ist eine Sportmarke, die Sportbekleidung für die anspruchsvollsten Skifahrer und Golfer entwickelt. Anspruchsvoll im Sinne höchster Qualität, bei bester Funktionalität und enormem Komfort durch extreme ­Flexibilität der Materialien. Das Ganze kommt in reduzierten, sehr hochwertigen Designs daher. Wir folgen hier keinen Trends, sondern kombinieren zeitlose Eleganz mit zeitgemäßen Elementen. Die Funktion ist Teil des Designs. Diese Kombinationen funktionieren bisher am besten im Sportfachhandel. Mit einer entsprechenden Zielgruppe und einem hochqualitativen Umfeld hat ein Händler gute Chancen, unsere Produkte gut verkaufen zu können.
Wir bemerken allerdings immer wieder, dass der Modehandel auf Teile aus unserer Lifestyle-Kollektion positiv anspricht. Mittlerweile gehören neben dem spezialisierten Sportfachhandel für uns hochklassige stationäre Department Stores wie Harrods in London oder Net-A-Porter online … zu unseren Partnern. Wir wollen lieber das, was wir richtig gut könnenm ausbauen, anstatt als „Me-too“ neben hundert anderen Marken zu stehen. Klar profitieren wir zurzeit auch vom Athleisure-Trend. Aber irgendwann in naher Zukunft wird sich die Mode wieder einem anderen Thema zuwenden. Wir werden dann weiterhin die beste Ski- und Golfbekleidung in unaufgeregt aufregendem Design und unvergleichbarer Qualität entwickeln, um unseren Kunden ein einzigartiges sportliches Erlebnis zu er­möglichen.

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