Expansion trotz Umsatzminus 30.08.2019, 12:04 Uhr

Hervis eröffnet seinen modernsten Store

In der Mariahilfer Straße in Wien haben sich zuletzt gleich vier Shops angesiedelt: Asics, Nike, JD Sports und XXL. Seit 24. August komplettiert Hervis das Ensemble. Geschäftsführer Alfred Eichblatt sprach in der Pressekonferenz von der heißesten Sportmeile Europas.
(Quelle: Hervis/APA Fotoservice Tesarek)
Ein Beitrag von Hildegard Suntinger
Für Hervis ist die neue Filiale in Wien der bis dato modernste Store, der mit einer Reihe an Besonderheiten aufwarten kann. Richtungsweisend ist vor allem die Smart Lounge, ein Bereich, der mit Sitzgelegenheiten und einem Bildschirm eingerichtet ist. Wie Hervis-Geschäftsführer Alfred Eichblatt betont, soll dieser den Kunden ein neues Erlebnis bieten. Hier können Produkte aus dem „Click & Collect“-Service abgeholt und Fragen zu Artikeln gestellt werden. Darüber hinaus soll die Fläche auch intern für Produktschulungen genutzt werden.
Fokus auf Kleidung und Schuhe
Eine weitere Besonderheit ist die erste „Vienna City Marathon“-Corner (VCM), die prominent im Eingangsbereich platziert ist. Hervis ist schon seit zwanzig Jahren Partner des großen Laufevents, das seit sieben Jahren in Folge über 40.000 Teilnehmer verzeichnet. Im ersten Schritt werden in Kooperation mit Adidas gebrandete Textilien angeboten. Das Konzept soll partnerschaftlich weiterentwickelt und auf weitere Hervis-Filialen ausgeweitet werden.
Der erste "Vienna City Marathon"-Corner im neuen Hervis-Shop in der Wiener Mariahilferstraße.
Quelle: Hervis/APA-Fotoservice Juhasz
Die gesamte Fläche des neuen Shops beträgt 1.400 qm und läuft über zwei Ebenen. Im Erdgeschoss sind die Themen Laufen, Fitness und Lifestyle positioniert. Auffallend ist die Menge an Sneakern für den Freizeitbereich. Im Obergeschoss werden die Themen Outdoor, Klettern und Radfahren gespielt. Das Sortiment ist in sogenannten Corners (zu Deutsch Ecken) arrangiert, die Marken wie Adidas, Puma, Nike, Under Armour, Mammut, Vaude, Salewa und Chillaz Platz bieten. Nicht zu vergessen die Eigenmarke Kilimanjaro, die prominent im OutdoorBereich untergebracht ist.
Partnerschaft mit Garmin
Eines der Fokusthemen der Pressekonferenz im neuen Hervis-Shop war die Vorstellung der erfolgreichen Partnerschaft mit dem Technologieunternehmen Garmin. Wie Simone Weber, Marketingleiterin DACH bei Garmin, anmerkte, ist Hervis einer der wichtigsten strategischen Partner in Österreich. In Zahlen bedeute dies ein Wachstum von 2.400 Prozent in den vergangenen vier Jahren. Dahinter steht eine strategische Partnerschaft, in der gemeinsam in Lehrlingsausbildung, Workshops, Flächenoptimierung und den VCM als wichtiges Event investiert werde.
Weber nutzte das Pressegespräch für den Pre-Launch der neuen Smartwatch-Serie „Fenix 6“, die offiziell erst am 29. August im Rahmen des Ultra Trail Montblanc (UTMB) gelauncht wurde. Die Wahl fiel auf das Trailrunning-Event, weil die neuen Modelle in der Geschwindigkeitsmessung auch das Gelände berücksichtigen.
Studie zu Wearables
Das Setting der Smart Lounge soll die entspannte Abwicklung des "Click & Collect"-Service ermögliche.
Quelle: Hervis/APA-Fotoservice Juhasz
Angetrieben wird der steigende Absatz von Garmin-Produkten bei Hervis nicht zuletzt von einem Trend zu Wearables. In einer von dem österreichischen Filialisten bei Market Agent in Auftrag gegebenen Studie gab ein Drittel der Befragten an, bereits Wearables zu tragen. Ein weiteres Drittel zieht den Kauf von Wearables in Erwägung. In der Art der genutzten Produkte dominiert das Smartphone (50 Prozent), gefolgt von der Smartwatch (41 Prozent) und dem Fitnessarmband (36 Prozent). Dabei wird die Smartwatch von zwei Dritteln der Nutzer nicht nur beim Sport, sondern auch im Alltag getragen.
Wenn es um die sportliche Nutzung geht, dann werden Wearables im Gros bei Outdoor-Aktivitäten (57 Prozent) verwendet. Nur etwa 28 Prozent setzen sie bei Indoor-Aktivitäten ein. Die höchsten Nutzerquoten finden sich in den Sportarten Wandern (51 Prozent), Radfahren (50 Prozent) und Laufen (50 Prozent).
Leichtes Minus in 2018
Hervis legte in den vergangenen Jahren ein rasantes Flächenwachstum vor. Im Vorjahr kamen 15 neue Standorte dazu, davon sieben im Inland. Der Fokus der Auslandsexpansion lag mit sieben Standorten auf Rumänien. Per Geschäftsjahresende 2018 (31.12.) waren es 225 Standorte in sieben Ländern, wobei 101 auf den Heimmarkt Österreich entfielen. Im laufenden Jahr soll die Zahl der Standorte auf 242 anwachsen. In der zweiten Jahreshälfte stehen noch jeweils sechs Eröffnungen in Rumänien und Österreich an. Die neuen Standorte in Österreich sind auf Ober- und Niederösterreich konzentriert.
Hatte Hervis in den Jahren zuvor vom Wegfall des Premiumanbieters Sport Eybl profitiert, so blieb die Umsatzentwicklung 2018 deutlich hinter dem Flächenwachstum zurück. Der Filialist erzielte mit 225 Standorten und 3.232 Mitarbeitern einen Bruttoverkaufsumsatz von 520 Mio. Euro. Der Nettoumsatz lag bei 410,57 Mio. Euro. 2017 waren es 415,37 Mio. Euro. Das entspricht einem Rückgang von 1,2 Prozent. Wechselkursbereinigt lag der Rückgang bei 0,9 Prozent. Den Umsatz in Österreich gibt der Filialist nicht bekannt.
Verschärfter Wettbewerb 2018
Im Geschäftsbericht wird der Rückgang mit dem außergewöhnlich guten Vorjahr 2017 erklärt, in dem der Großteil der Umsätze von zwei Wintersaisonen – Winter 2016/17 und 2017/18 – wetterbedingt in ein Jahr fiel. Gelitten haben besonders die Umsätze im Januar und Februar 2018. Im zweiten Halbjahr 2018 kam es durch neue Marktteilnehmer und die Expansion der bestehenden Mitbewerber zu einer deutlichen Verschärfung der Wettbewerbssituation. Hervis gilt als einer der preisaggressiven Marktteilnehmer und dürfte besonders unter dem Markteintritt von Decathlon im August 2018 und der rasanten Expansion von XXL gelitten haben, der seit August 2017 bereits fünf Standorte in Südostösterreich etabliert hat.
In Deutschland betreibt Hervis aktuell zehn Filialen. Die letzte Eröffnung erfolgte im April 2019 in Kempten. Eichblatt spricht von einem aktuellen Wachstum von zehn Prozent.

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