Interview mit Fabian Nendza 01.07.2019, 08:53 Uhr

Globetrotter zielt auf maximale Nachhaltigkeit

Fabian Nendza, Sustainability Manager Frilufts Retail Europe AB, erklärt die Fortschritte in Sachen Nachhaltigkeit bei Globetrotter.
Große Ziele verfolgt Fabian Nendza mit den Marken der Frilufts Retail Gruppe. Seine Vision: Globetrotter soll der nachhaltigste Outdoor-Händler werden.
SAZ Sports & Fashion: Herr Nendza, wie steuern Sie das Thema Nachhaltigkeit bei Globetrotter?
Fabian Nendza: Seit 2015 läuft Globetrotter unter der Flagge der Fenix Group, und damit wird auch das Nachhaltigkeitsmanagement über die Fenix Outdoor International AG verantwortet.
Fabian Nendza plädiert für mehr Schubkraft beim Thema Nachhaltigkeit.
Quelle: Globetrotter
Die Themen Corporate Social Responsibility und Nachhaltigkeit steuern wir aus einem zentralen Bereich für die gesamte Fenix Outdoor Group. Nachhaltigkeit und CSR werden zentral für die Frilufts Retail Europe AB gemanagt, zu der neben Globetrotter auch die Einzelhändler Friluftsland, Naturkompaniet und Partioaitta gehören.
SAZ Sports & Fashion: Globetrotter hat ein eigenes Bewertungssystem für Nachhaltigkeit. Wie kommt das bei den Kunden an?
Nendza: Seit Jahren bewerten wir Produkte nach verschiedenen Nachhaltigkeitskriterien und stellen diese Frontrunner-Auswahl unseren KundInnen vor. Unser Bewertungssystem wird sehr gut angenommen und das Interesse, nachhaltige Kaufentscheidungen zu treffen, ist definitiv vorhanden. Um unseren KundInnen beim Entscheidungsprozess die Wahl zur nachhaltigeren Alternative zu erleichtern, durchlaufen alle Produkte einen Prozess: Anhand interner Kriterien stellen wir sicher, dass die überprüften Produkte im Vergleich ihrer „Nachhaltigkeitsleistung“ überdurchschnittlich abschneiden. Wir nennen das „Eine grünere Wahl“. Seit Anfang 2018 durchläuft auch das Globetrotter-Sortiment diese Bewertungskriterien und die MitarbeiterInnen haben dadurch die Möglichkeit, Kunden zum umweltfreundlicheren Kauf zu beraten. Bevor es aber so weit kommt, durchläuft jedes Produkt vor dem Einkauf einen Standardprozess, der verschiedene Qualitätsprüfungen beinhaltet. So stellen wir sicher, dass wir unseren Kunden grundsätzlich ein qualitativ hochwertiges Sortiment anbieten, das für unser Sortiment charakteristisch ist und unsere Nachhaltigkeitsziele unterstreicht. Wir wollen das nachhaltigste Outdoor-Unternehmen sein. Damit setzen wir uns selbst unter Druck, aber eben auch unsere Marken und Lieferanten.
SAZ Sports & Fashion: Nach welchen Aspekten der Nachhaltigkeit suchen Kunden bei Ihnen?
Nendza: Hier gibt es eine ganze Bandbreite an Aspekten, die für unsere Kundschaft besonders relevant sind. Von veganen Produkten über Chemikalienmanagement, Tierwohl und faire Arbeitsbedingungen gibt es immer wieder neue Gesichtspunkte, die eine Rolle bei der Kaufentscheidung spielen. Diese können natürlich auch spezifischer ausfallen, zum Beispiel geht es dann um PFC-freie Ausrüstung, nachhaltige Daune oder Mulesing-freie Merinowolle. Diese Aspekte sind teilweise auch auf me­diale Berichterstattung und deren Aktualität zurückzuführen.
SAZ Sports & Fashion: Worauf achten Sie in Ihrer Firma bei der Order ganz besonders?
Nendza: Qualität inklusive sicherer Produktnutzung und Langlebigkeit sind beim Ordern ganz wichtig. Erreicht eine Marke dieses Level nicht, kommt sie nicht in unser Sortiment. Das ist natürlich auch unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten ein Kriterium, denn es geht nicht um immer mehr Auswahl – im Gegenteil, es geht um weniger Auswahl, aber bessere Qualität. Und damit meine ich nicht nur die klassischen Aspekte wie Funktionalität und Design, sondern ganzheitlich: Produkte, die ins Sortiment kommen, sollen höchste soziale und ökologische Anforderungen erfüllen. Und das betrifft nicht nur das direkte, eigentliche Produkt, ­dazu gehört natürlich auch das große Ganze. Hierzu zählen etwa die Produkt- und Versandverpackung, Transportemissionen, Lieferwege und Nachhaltigkeitsbemühungen der Hersteller. Das kaufen wir als Konsumenten ja alles mit. Wir wollen unseren Kunden unterm Strich das beste Produkt und den besten Service anbieten.
SAZ Sports & Fashion: Wo sehen Sie in Sachen Nachhaltigkeit noch Entwicklungsbedarf in der Industrie?
Nendza: Wir haben viele Herausforderungen, die vor uns liegen. Dazu gehören der Aufbau zirkulärer Systeme und Innovationen, Materialien aus erneuerbaren Quellen, Klimaschutz, Vermeidung von schädlichen Chemikalien sowie faire Arbeitsbedingungen, und natürlich treibt uns auch das Thema Mikroplastik um.
SAZ Sports & Fashion: Wünschen Sie sich mehr Unterstützung für das Thema Nachhaltigkeit? Von der Sportartikelindustrie? Oder der Politik?
Nendza: Wir brauchen definitiv noch mehr Schubkraft auf diesen Themen, das ist ganz klar. Es müssen aber eben auch Maßnahmen sein, die förderlich sind. Gut gewollt ist ja nicht gleich gut gemacht. Hier sehe ich jedes Unternehmen und auch die Outdoor-Branche selbst in der Pflicht, aktiv zu sein. Es gibt bereits viel Engagement und gute Ansätze. Um das Thema Nachhaltigkeit auf das nächste Level zu heben und wirklich die benötigte Transformation zu erzielen, braucht die Branche verbesserte Kollaboration, mehr Austausch und gemeinsame Lösungsansätze.
SAZ Sports & Fashion: Wie sieht das Nachhaltigkeitskonzept für Ihr eigenes Unternehmen aus?
Nendza: Wir haben die „House-keeping“-Aktivitäten, also alles, was abseits der Produkte und Services läuft, aber natürlich eng damit verbunden ist, wie etwa die Beschaffung, Logistik, E-Commerce und die Filialen. Wir wollen unser Nachhaltigkeitskonzept so gestalten, dass wir die negativen Umweltauswirkungen so weit wie möglich reduzieren.
Das Care & Repair-Konzept verlängert die Lebensdauer der Produkte und trägt damit ebenso zur Nachhaltigkeit bei.
Quelle: Globetrotter
Dazu zählt auch, dass wir Bike-Leasing unterstützen und Fahrradreparaturen übernehmen, sodass auch unsere MitarbeiterInnen ihren eigenen CO2-Abdruck reduzieren. Am Ende müssen diese Bereiche dazu beitragen, dass unser Geschäftsmodell in seiner Gesamtheit einen positiven Beitrag leistet. Und dann sind da natürlich im Hauptfokus die Produkte, unser Service und unsere Kunden: Wir möchten Produkte anbieten, die den höchsten Anforderungen hinsichtlich Qualität, Funktionalität, Design und Nachhaltigkeit standhalten. Das heißt auch, dass die Produkte den geringsten ökologischen Fußabdruck haben, langlebig sind und ­eine sichere Produktnutzung gewährleistet ist. Hier sind unsere Mindestanforderungen und natürlich auch „Eine grünere Wahl“ sowie unser Care & Repair-Konzept wichtige Instrumente für die Umsetzung.
SAZ Sports & Fashion: Was ist Ihre Vision, welche Hebel sollten in unserer Gesellschaft noch in Bewegung gesetzt werden, um die Umwelt zu retten?
Nendza: Wir wissen, wer wir sind und was wir wollen. Unser Ziel ist es, nachhaltigster Outdoor-Händler zu werden, dazu zählen auch Unternehmensverantwortung und nachhaltiges Handeln, das wir gezielt vorantreiben. Als Einzelhändler haben wir zwischen Marken und Konsumenten eine ganz besondere Position. Denn durch unsere Auswahl und Anforderungen an Marken und Produkten haben wir einen Hebel, um auf Produktionsweisen positiv einzuwirken. Und dann gibt es natürlich die Kundenseite: Wir können dazu beitragen, dass Nachhaltigkeit verstärkt in der Kaufentscheidung der Kunden berücksichtigt wird, das ist für uns ein ganz elementarer Aspekt. Wenn wir Nachhaltigkeit kommerzialisieren, bekommen wir noch mehr positive Dynamik hinein, weil damit die Bereitschaft wächst, in Nachhaltigkeit zu investieren.

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