Premium-Store-Konzepte 01.11.2018, 23:39 Uhr

Digitale Spielwiese

Wie sehen die Stores der Zukunft aus? Intersport und Sport 2000 haben mit ihren Pilotprojekten Antworten gegeben und damit auch weltweite Standards gesetzt
Die drei „Future Stores“ von Intersport wurden vor einem Jahr mit großem Aufwand in Berlin-Mitte und Tegel sowie Potsdam gelauncht. Sie basieren auf einem erfolgreichen Premiumonzept, dass in Österreich über drei Jahre konstante Wachstumsraten von 5 bis 10 % verbuchte, und es sollte den Wandel der Intersport hin zur einem vertikalen Verband einläuten, der durch die sogenannte blaue Welt gekennzeichnet ist.
Ein Jahr nach dem Start sind die Future Stores hierzulande inzwischen leise in die Versenkung abgetaucht. „Die Future Stores in Berlin waren ein erster Schritt, um neue Konzepte im Omnichannel-Handel für Intersport auszuprobieren“, erklärt Intersport-Vorstand Mathias Boenke. „Dafür haben wir uns fast ein Jahr Zeit genommen. Jetzt sind wir dran, die Erkenntnisse aus Berlin für unsere strategische Neuausrichtung im Sinne von ‚One Intersport‘ zu nutzen. Welche der neuen Themen hat der Kunde angenommen, welche nicht? Womit können wir uns vom Wettbewerb abheben, und wie können wir unsere Kompetenz als Brand Builder ausspielen? Nach Abschluss der Pilotphase haben wir die drei Geschäfte jetzt als Filialen mit Top-Status in das Netzwerk von Intersport Voswinkel zurückgeführt.“
Im Schuhliebhaber-Raum werden die Sneaker auf Social Media geteilt.
(Quelle: Intersport)
Insider verraten, dass die digitalen Tools von den Kunden kaum genutzt wurden. Ausgestellte Schuhe hätten keine QR-Codes. Die Virtual-Reality-Brille läge Wochen nach der Eröffnung kaputt in der Ecke herum. Die Produkte konnten nie die Erwartungen der Kunden erfüllen, weil die Range eher Basic und nicht Premium sei. International läuft es hingegen durchaus erfolgreich mit dem Intersport-2.0-Konzept, erklärt Victor Duran, CEO von Intersport International.

Sich mit Kunden verbinden

Bei Augmented-Reality-Spielen werden Kundendaten gesammelt.
(Quelle: Intersport)
Im August 2017 wurden neben Berlin auch die ersten Piloten in Athen und Eindhoven gestartet. Mittlerweile gibt es in Europa rund 90 Stores im Format Intersport 2.0. „Einige Tools haben sich als Gimmicks, andere aber als Treiber herausgestellt“, erklärt Duran. „So haben sich Click & Collect oder Click & Reserve als Standards herauskristallisiert, und auch mit Tablets unterstützte Verkäufe konnten bis zu 10 % zusätzliche Umsätze generieren. In China sind wir noch einen Schritt weitergegangen und haben in Peking mit Alibaba auf 1.000 qm einen Store eröffnet, der sich mit dem Kunden vernetzt.“ Wer im Umkreis von 5 km zum Store wohnt, erhält ­Pakete innerhalb von zwei Stunden – das beinhaltet auch Bestellungen aus der
E-Commerce-Plattform Tmall von Alibaba.
Das Absolute-Teamsport-Konzept setzt auf vertikalen Vertrieb.
(Quelle: Sport 2000)
Sport 2000 verfolgt ebenso ein Premiumkonzept für seine Spezialisten, insbesondere im Teamsport und Running: Der erste Store, Absolute Teamsport Hesse, eröffnete jüngst in Ruppach-Goldhausen. Ein Format mit Zukunft: „Wir haben heute den Beweis angetreten, dass unsere Spezialisten mit ihrem fokussierten Segment im Schnitt deutlich bessere Kennzahlen in den Erlebnisbereichen erzielen, als vergleichbare Generalisten“, erklärt Sport-2000-Geschäftsführer Hans-Hermann Deters. So liegt der Durchschnittspreis von Laufschuhen bei den Laufprofis bei knapp 130 Euro, wohingegen Sport-2000-Händlern bei 102 Euro liegen. Beim Durchschnittsbon erzielen die Laufprofis einen Wert in Höhe von 143,50 Euro, der Rest dagegen 113 Euro. Der Bruttogewinn liegt bei den Spezialisten um mehr als 10 % über dem Bruttogewinn der Vollsortimenter.
Das interaktive Schaufenster erkennt Alter und Geschlecht der Passanten.
(Quelle: Intersport)
„Wir adressieren durch das Premiumkonzept eine anspruchsvollere Zielgruppe und erhalten besseren Zugriff auf Ware. Die selektiven Modelle und stark limitierten Produkte in deutlich höheren Preislagen sind für unsere Spezialisten von besonderer Relevanz“, erklärt Deters. „Damit ermöglichen wir ihnen ganz andere Preispunkte, verbesserte Warenverfügbarkeiten und exklusive Sondermodelle, was auch zu weniger Nein-Verkäufen und Abschriften führt. Gemeinsame Marketingkampagnen sollen die Frequenz in den Läden erhöhen. Unser Anspruch ist es, mit Absolute die sehr positiven KPIs zu übertreffen, um die Wettbewerbsposition und Existenzsicherung unserer Partner essentiell zu verbessern.“

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