Besichtigung der neuen Filiale in Fürth
 
29.03.2019, 11:31 Uhr

Hinter den Kulissen von Decathlon

Am 18. April öffnet Decathlon seinen 68. Store in Deutschland. SAZsport konnte vor der Eröffnung einen Blick hinter die Kulissen der neuen Filiale in Fürth werfen.
Nach Würzburg und Bamberg will sich Decathlon nun auch im mittelfränkischen Fürth ansiedeln. Das französische Unternehmen gewährte bei einer Baustellenbegehung am 25. März erste Eindrücke des neuen Stores in der Waldstraße 82, der in der Fürther Südstadt liegt. Den Rundgang durch die 3.000 Quadratmeter große Verkaufsfläche leitete die zukünftige Filialleiterin Nina Genz, die dabei von ihrem Kollegen Maximilian Fuchs unterstützt wurde, der als Projektmanager für die Eröffnungen der Mulliez-Tochter hierzulande verantwortlich ist.
 
„Endlich kommt ihr auch hier in die Gegend” ist ein Satz, den wir in den vergangenen Tagen oft gehört haben“, freut sich Genz. Obwohl die Aufbauarbeiten noch im vollen Gange sind, ist sie gespannt auf ihre neue Tätigkeit als Leiterin des Fürther Decathlons: „Als ich das Projekt in unserer Deutschlandzentrale in Plochingen vorgestellt habe, waren gleich alle begeistert von den Sportmöglichkeiten die Fürth und die Umgebung bieten“, erklärte die studierte Sportökonomin den anwesenden Journalisten.
Die Filialleiterin Nina Genz war zuvor Teamleiterin beim Würzburger Decathlon und freut sich nun auf ihren neuen Einsatzbereich in Fürth.
(Quelle: Solveig Schneider)

 
Die Filiale soll in sechs Abteilungen aufgegliedert werden: Bergsport, Running, Rollsport, Fitness, Team- und Racket- sowie Radsport. Auch Reitsportler sowie Jäger und Angler sollen hier auf ihre Kosten kommen. Der Hauptfokus des Stores liege auf dem Bereich Bergsport, da das Nürnberger Umland mit über 2.000 Kilometern markierter Wanderwege zu einer Vielzahl von Outdoor-Aktivitäten einlädt.
 
Trotz der gesetzten Abteilungen sei es durch den flexiblen Aufbau der Regale jederzeit möglich, andere Schwerpunkte innerhalb der 3.000 Quadratmeter großen Verkaufsfläche zu setzen. „Frankreich ist nicht der heilige Gral. Die Filialleiter haben bei Decathlon sehr viele Freiheiten“, meint Fuchs. So hätten sie zum Beispiel auch völlig freie Hand bei der Auswahl der Mitarbeiter und viele Entscheidungsfreiräume bei der Produktauswahl. Während man beispielsweise in einer Filiale im süddeutschen Raum eine größere Sortimentstiefe bei Wintersportartikeln anbietet, könne das Produktportfolio in Bremen ganz anders gestaltet werden. „Wir können das Angebot an örtliche Bedürfnisse individuell anpassen bzw. erweitern“, fügt der 36-Jährige hinzu. Dabei komme es auch manchmal vor, dass man auf lokale Anbieter zurückzugreife. Als beispielsweise die Auswahl an Decathlon-eigenen Produkten im Bereich Sporternährung in einer Filiale nicht ausreichend war, wurde kurzerhand der Energy-Cake eines lokalen Start-up mit in den Verkauf genommen, berichtet Fuchs. Neben der Möglichkeit, das Sortiment mitzubestimmen, gebe es auch eine Preisgestaltungsfreiheit. „Wir sind von den Preisen her nicht von Frankreich abhängig. Es gibt eine Finanzautonomie für Deutschland“, so Fuchs. Innerhalb Deutschlands seien die Preise jedoch zu 99 Prozent gleich.
Noch wird kräftig in der neuen Filiale in Fürth gewerkelt, damit rechtzeitig bis zur Eröffnung am 18. April alles fertig ist.
(Quelle: Solveig Schneider)

Wenn möglich 100 Prozent Eigenmarke

Dennoch habe Decathlon generell kein gesteigertes Interesse an Zukäufen, erklärt der Projektmanager. Dazu bestünde seiner Ansicht nach auch immer weniger Bedarf. „Hier in Fürth bieten wir ca. 80 Prozent Eigenmarken an. Das Ziel sind aber die 100 Prozent, wenn es möglich ist.“ Dabei müsse man jedoch Einschränkungen machen, denn jedes Land hätte seine eigenen Ansprüche. So werde man im deutschen Decathlon-Sortiment auch in Zukunft stark nachgefragte Artikel wie den „Kaiser“-Fußballschuh von Adidas, den Kettler-Hometrainer oder den Lowa-Multifunktionschuh „Renegade“ finden. Und Fuchs verrät noch eine weitere deutsche Eigenheit: Als Decathlon 1986 in Dortmund das erste Geschäft außerhalb Frankreichs eröffnete (im selben Jahr führte das Unternehmen übrigens auch seine Eigenmarken ein), standen die Käufer hierzulande keineswegs gleich Schlange. „Obwohl der deutsche Konsument bekannt ist für seine Sparsamkeit, war es schwer für uns, ihn davon überzeugen, dass unser Produktmix etwas taugt, obwohl er so billig ist.“ Je mehr Vertrauen es in die Eigenmarken gebe, desto weniger Zukäufe müssten jedoch in Zukunft getätigt werden. 

In der Fürther Südstadt liegt die Decathlon-Filiale direkt neben Gartencenter Dehner.
(Quelle: Solveig Schneider)
Keine Angst vor Decathlon?

Der Projektmanager meint, dass trotz der steigenden Präsenz von Decathlon in Deutschland die Sporthändler in der Nähe des neuen Stores keine Angst vor dem französischen Filialisten hätten. Die wenigen, kleinen Nischenhändler in der Gegend würden sich nicht vor der Ansiedlung fürchten. Auch in Chemnitz hätte er eine sehr freundschaftliche Beziehung zu anderen Sporthändlern gepflegt. „Wir bringen Kundenfrequenz“, pflichtet ihm Genz bei, da viele neue Kunden aus den umliegenden Dörfern nun nach Fürth fahren würden, um das neue Angebot in Anspruch zu nehmen. Die Filialleiterin und der Projektmanager bringen auch Verständnis für den Schutz von innerstädtischen Ansiedlungen auf. „Wir sind keine Gegner solcher Auflagen. Dadurch sind wir gezwungen, unsere Konzepte und Sortimente den Umständen entsprechend anzupassen.“
 
Aktuell führt die Mulliez-Tochter in Deutschland 66 Filialen. In Dortmund wurde am 21. März eine weitere Filiale aufgesperrt, die ebenfalls am 21. März geplante Eröffnung der zweiten Münchner Filiale auf der Schwanthalerhöhe wurde bisher aus Brandschutzgründen verschoben. Im Juni kommt ein weiterer Store in Erfurt hinzu. Insgesamt sind für dieses Jahr ca. 15 Neueröffnungen geplant.

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