Nur noch Eigenmarken 13.07.2018, 09:14 Uhr

Decathlon sagt Marken Adieu

Der größte Sporthändler der Welt fühlt sich so stark, dass er künftig ganz auf Marken verzichten möchte und nur noch auf seine „hyperspezialisierten“ Eigenmarken setzen will. Das hat Folgen für die Industrie
Decathlon zeigt bei den Eigenmarken seine Muskeln und wirft Marken komplett aus seinem Sortiment.
(Quelle: Decathlon)
Decathlon hat bereits verschiedene Marken-Lieferanten darüber informiert, dass sie bis zum Jahr 2021 keine Fremdmarken mehr verkaufen werden, berichtet das französische Branchenblatt SPORTeco. Sukzessive sollen die Markenumsätze jährlich heruntergefahren werden. Die kleinen Lieferanten sollen gar keine Informationen erhalten haben.
Gegenüber SAZsport hat Lowa-Geschäftsführer Werner Riethmann Stellung bezogen. „Die Schweiz ist im Moment betroffen“, erklärte Riethmann auf seiner Bilanzpressekonferenz im Mai, denn vor kurzem hatte Decathlon Athleticum und seine 23 Filialen übernommen. Athleticum galt als die Nr. 3 im Schweizer Gesamtmarkt. „Einen Teil des Umsatzes, den Lowa in der Schweiz generiert, wird in Zukunft wegfallen, weil sich Decathlon dazu entschlossen hat, sich nur noch auf Eigenmarken zu konzentrieren, die sie selber kreieren und produzieren. Das bedeutet für uns, dass wir versuchen werden, diese Umsatzverluste mit anderen Kunden wettzumachen“, so Riethmann. Lowa verkaufe zwar im Moment immernoch an Decathlon, „aber Decathlon hat beschlossen, die Geschäftsbeziehung bis Ende 2019 zu beenden. Nach meinen Informationen betrifft dies auch die meisten anderen Markenhersteller.“ Decathlon würde noch eine Zeit für die Entwicklung und die Beschaffung der Produkte brauchen, aber bei den Mengen, die sie beschaffen, werden die meisten Zulieferer mitmachen. Im Nachhaltigkeitsreport des Jahres 2015 spricht Decathlon von etwa 944 Millionen verkauften Sportartikeln. Das macht bei einem damaligen Umsatz von 9,1 Mrd. Euro einen Durchschnittspreis von 9,63 Euro pro Artikel. 2015 produzierten die Franzosen in 22 Ländern bei über 1.000 Level- 1-Unterlieferanten und über 200 Level- 2-Unterlieferanten ihre Eigenmarken. Darum kümmerte sich ein Team von rund 1.500 Produktmanagern, die in 41 Büros direkte Beziehungen zu den Fabriken pflegten.

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