Unterstützung auch für kleine Projekte 10.08.2018, 08:29 Uhr

Bund und Länder fördern Digitalisierung im Handel

Die digitale Transformation wird für viele Sporthändler zur personellen und auch finanziellen Herausforderung. Daher bieten Bund und Länder Förderprogramme, die bereits auch kleinere Projekte unterstützen sollen.
Ein Beitrag von Christian Bonk
Die Bestrebungen der einschlägigen Verbände von HDE bis Intersport und Sport 2000 zeigen es deutlich: Unterm Strich führt heute kein Weg an einem gewissen Quantum Digitalisierung vorbei – das gilt auch für den stationären Sporthandel. Da aber die traditionellen Handelsprozesse nach wie vor die tägliche Praxis bestimmen, besteht kein Grund zur Panik. Doch es gibt viele Gründe für ein strategisches und kontinuierliches Digitalisieren – im Idealfall mit einer passenden Fördermaßnahme im Rücken.
Informieren statt überreagieren heißt die Devise. Digitalisierung muss keineswegs bedeuten, dass der ehemalige Skischuhraum zum Server-Zentrum umfunktioniert werden muss. Ein Digitalisierungsprojekt verdient schon diesen Namen, wenn es beispielsweise um die Verbesserung der IT-Sicherheit, die Integration der DSGVO oder die Gestaltung einer neuen Website mit Shop-Funktion geht.
Natürlich lässt sich ein Digitalisierungsprojekt in Eigenregie durchführen. Aber jeder Sporthändler weiß, dass im normalen Verkaufsalltag weder zeitliche noch kreative Ressourcen zur Verfügung stehen, um anspruchsvolle IT-Projekte nebenher zu betreiben. Also führt fast kein Weg daran vorbei, sich fürs Digitalisierungsprojekt professionelle Hilfe zu holen. Das kann die Agentur um die Ecke sein, ein freiberuflicher Kommunikationsprofi oder der IT-Dienstleister, der schon vor 20 Jahren die ersten Kassen-PCs im Shop aufgestellt hat. Auf wen die Entscheidung auch fällt, es lohnt sich auf jeden Fall die Überlegung, Fördermittel zu nutzen. Sowohl die Bundesregierung als auch die Landesregierungen haben Förderprogramme geschaffen, die besonders kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) unterstützen, denen für eine konsequente Digitalisierung die Mittel fehlen.

„Unternehmerisches Know-how“

Zuständig für die Umsetzung des Programms „Förderung unternehmerischen Know-hows“ ist das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Die Maßnahme wird aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) der Europäischen Union kofinanziert. Das Förderprogramm richtet sich an Unternehmen, die bereits gegründet sind. Als Gründungsdatum zählt bei gewerblich Tätigen der Tag der Gewerbeanmeldung beziehungsweise des Handelsregisterauszugs, bei Freiberuflern die Anmeldung beim Finanzamt.
Für Jungunternehmen, die nicht länger als zwei Jahre am Markt sind, umfasst das Programm im Prinzip jede Art der Beratung hinsichtlich einer zukunftsorientierten Digitalisierungsmaßnahme. Dazu gehören allgemeine Beratungen zu allen wirtschaftlichen, finanziellen, personellen und organisatorischen Fragen der Unternehmensführung und spezielle Beratungen. Die maximale Bemessungsgrundlage pro Beratungsart liegt bei 4.000 Euro. Für Bestandsunternehmen (ab dem dritten Jahr nach Gründung) werden allgemeine Beratungen zu allen wirtschaftlichen, finanziellen, personellen und organisatorischen Fragen der Unternehmensführung und spezielle Beratungen gefördert. Die maximale Bemessungsgrundlage pro Beratungsart beträgt 3.000 Euro. Für beide Unternehmenskategorien wird je nach Bundesland ein Fördersatz von 50 bis 80 % zugesprochen. Die Förderung wird für maximal fünf Beratungstage, die nicht aufeinander folgen müssen, bewilligt.

Unterstützung bei der Antragstellung

Oft stellt schon die Antragstellung eine vermeintlich hohe Hürde dar, aber auch dafür gibt es Hilfestellung. Das BAFA bietet ein kostenloses Informationsgespräch mit einem regionalen Ansprechpartner über die Zuwendungsvoraussetzungen an. Die Auswahl des regionalen Ansprechpartners bleibt dabei dem Unternehmer selbst überlassen. Es muss sich lediglich um „einen bei einer Leitstelle registrierten regionalen Ansprechpartner“ handeln. Die vollständige Liste ist unter www.betriebsberatungsstelle.de/regionalpartner.php einsehbar.
Zwischen dem Infogespräch und der Antragstellung dürfen nicht mehr als drei Monate liegen. Im nächsten Schritt erfolgt die Antragstellung über eine Plattform des BAFA, wobei in diesem Schritt die Zahlung des Eigenanteils für die Beratung nachgewiesen werden muss. Es folgt eine Prüfung durch die Leitstelle, die dann die Unterlagen an das BAFA weiterleitet. Bei positivem Bescheid durch das BAFA kann das Beratungsprojekt unmittelbar gestartet werden.

„Go-digital“

Das Programm „Go-digital“ des Bundesministeriums für Wirtschaft fördert gezielte Beratungsleistungen durch zertifizierte Unternehmen für IT-Projekte. Diese werden im Ausschreibungstext mit „IT-­Sicherheit“, „Digitale Markterschließung“ und „Digitalisierte Geschäftsprozesse“ umschrieben. Dabei werden Beratungsleistungen ebenso gefördert wie die spätere Umsetzung. Voraussetzung ist eine Unternehmensgröße unter 100 Mitarbeitern sowie eine Jahresbilanzsumme unter 20 Mio. Euro. „Go-digital“-Förderungen sind zwar in der Anzahl der Gesamtför­derungen pro Jahr begrenzt, aber der Fördertopf wird jährlich neu befüllt. Auch „Go-digital“ arbeitet ausschließlich mit zertifizierten Unternehmen zusammen. Gefördert werden die Beratungs- sowie Umsetzungsphasen mit 50 % der Beratungskosten. Dabei darf der Tagessatz für die Dienstleistung maximal 1.100 Euro betragen. Bis zu 20 Tagessätze sind ab­gedeckt. Das Projekt muss innerhalb von sechs Mo­naten nach Bewilligung beginnen. Eine aktuelle Liste der Beratungs­unternehmen veröffentlicht das BMWi unter www.bmwi-go-digital.de. Auch hierfür empfiehlt sich ein unverbindliches Erst­gespräch mit einem der Unternehmen.

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