Logo der Laufmarke Thoni Mara in Pink
Quelle: Nautilus Skin Touch
Marke aus dem Erzgebirge steht vor dem Aus 03.08.2022, 11:50 Uhr

Thoni Mara startet seinen letzten Lauf
 

Der deutsche Textilhersteller Nautilus Skin Touch – und somit die Laufbekleidungsmarke Thoni Mara – muss den Betrieb einstellen. Inhaber und Geschäftsführer Christian Schwab führte mit SAZsport ein sehr offenes Gespräch über die Hintergründe.
Im Jahr 2007 hatte Christian Schwab, ambitionierter Sportler, Designer und Geschäftsführer des deutschen Textilherstellers Nautilus Skin Touch GmbH & Co Wäsche- und Badebekleidungs KG, die Laufbekleidungsmarke Thoni Mara ins Leben gerufen, nun steht sie vor dem Aus. Bereits im Jahr 2018 trennte sich Schwab von seiner Näherei und Strickerei im sächsischen Thum, um sich noch stärker auf sein Herzensprojekt Thoni Mara konzentrieren zu können – doch die Rechnung ging nicht auf. Schwab hat sich nun schweren Herzens dazu entschlossen, keine weitere Kollektion zu entwickeln und einen neue Produktion in Auftrag zu geben. Derzeit wird nur noch das aktuelle Lager abverkauft, 2023 soll dann endgültig Schluss sein. Es soll keine Übernahme und keinen Verkauf der Markenrechte geben. Bleibt die Frage nach dem Warum? Schwab will es nicht auf die großen Krisen der vergangenen Jahre schieben, obwohl die Corona-Pandemie natürlich als Brandbeschleuniger gewirkt hat. Im Gespräch mit SAZsport verrät er die Hintergründe für diesen schweren Schritt.

 

SAZsport: Herr Schwab, Sie haben Ihren Kunden im Juli 2022 mitgeteilt, dass Sie mit Ihrer Marke Thoni Mara gerade leider zum „letzten Lauf“ ansetzen. Was sind die Gründe für die Geschäftsaufgabe, insbesondere in Zeiten, wo es gerade einen regelrechten Laufboom gibt und immer mehr Menschen mit dem Laufen angefangen haben?



Als Marathonläufer und Ironman Europameister hat Christian Schwab bewiesen, einen langen Atem zu haben, dennoch steht die von ihm ins Leben gerufene Marke Thoni Mara jetzt vor dem endgültigen Aus.
Quelle: Nautilus Skin Touch

Christian Schwab
: Es ist richtig, dass das Running-Segment seit Jahren boomt, aber leider konnten wir nicht in dem Maß profitieren, wie es eventuell die Laufschuhhersteller tun. Mit meiner Marke haben wir uns in einem kleinen Segment dieses Marktes bewegt, nämlich mittel- bis hochpreisig und eher sportlich-ambitionierten Kunden. Nachdem wir in den ersten Jahren sehr gesund und ohne viel Marketingaktivitäten gewachsen sind, wollten wir den nächsten Schritt gehen und haben seit 2018 sowohl in eine neue Kollektion, eine neue Warenwirtschaft als auch insgesamt in einen professionelleren Auftritt alle verfügbaren Mittel investiert. Leider sind die Umsätze trotzdem stark zurückgegangen, sodass wir seit vielen Jahren nicht mehr kostendeckend gearbeitet haben. Das schwierige Marktumfeld der vergangenen beiden Jahre und die aktuelle Kaufzurückhaltung hat die Lage natürlich noch mal verschärft. In der Hoffnung, noch „die Kurve zu bekommen“, habe ich in den letzten beiden Jahren noch mal sehr viel privates Geld in die Firma gesteckt. Allerdings ohne Erfolg, sodass ich nun die Notbremse ziehen muss.



SAZsport: Einer der Gründe für den bisherigen Erfolg von Thoni Mara war das Gütesiegel "Made in Germany“. Sie haben schon immer auf eine regionale, und dadurch nachhaltige Produktion gesetzt. Eigentlich müsste das doch in der aktuellen Zeit, wo alle Unternehmen danach streben, immer nachhaltiger zu produzieren, das besondere Interesse der Verbraucher – und der Sporthändler wecken. Was ist hier schiefgelaufen?



Schwab: Seit 1998 produzierte ich in meiner Textilfirma im Erzgebirge Funktionsunterwäsche für verschiedene internationale Marken. Es war also keine Marketingstrategie, ab 2007 Thoni Mara in Deutschland zu produzieren, sondern wir kannten es gar nicht anders. Aber auch, wenn wir in allen Belangen eine deutlich höhere Qualität als unsere Mitbewerber ablieferten, konnten wir zu keiner Zeit die Preise erzielen, die wir eigentlich gebraucht hätten, um unsere Kosten zu decken. Trotzdem haben wir immer am Standort im Erzgebirge festgehalten, weil wir auch ein Stück weit mit gutem Beispiel vorangehen wollten (zu einer Zeit, als Nachhaltigkeit noch für viele ein Fremdwort war). Nicht umsonst hat man mich als waschechten Franken zum „Botschafter des Erzgebirges“ ernannt. Klar haben dann im Laufe der Jahre viele andere Hersteller in puncto Nachhaltigkeit nachgezogen (zumindest vordergründig) und wir waren nicht mehr die einzigen. Aber neben der Nachhaltigkeit hatten wir uns inzwischen natürlich auch einen Namen für hochfunktionelle Laufshirts und -hosen gemacht, die sich einfach besser angefühlt haben als alle anderen. Daneben sind wir immer ehrlich und authentisch geblieben. Wo steht schon der Firmeninhaber noch selbst auf der Messe, berät seine Kunden und fachsimpelt über Laufen und Triathlon?

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