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Emotion, Werte, Nähe: Die Lovebrand-Formel für die Sportbranche

Wenn Marken es schaffen, die Gänsehaut-Momente zu kreieren, die mit dem Sport verbunden sind, können die Kunden zu Fans werden.
Foto: Shutterstock

Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Sportartikelsuchende und Beratungsaficionados, 

damit das gleich mal klar ist: Die Produkte selbst sind heute selten das Problem. Die meisten Dinge funktionieren. Der Markt ist voller Qualität, Features, Innovationen, Upgrades. Oft haben wir gar zu viel davon, können nicht einmal alles verstehen und ausschöpfen, was geboten ist. Wovon es aber zu wenig gibt und was mitunter einfach fehlt: die Bedeutung. Und Bedeutung entsteht nicht in der Vergleichstabelle - sie entsteht im Bauch. 

Wer Kundenbindung im Jahr 2026 noch immer mit Rabattcodes, Bonuspunkten und "Kauf 3, zahl 2" erklärt, verwechselt Beziehung mit Bestechung. Preisaktionen erzeugen Aufmerksamkeit. Emotion aber erzeugt Loyalität. Das ist in etwa der Unterschied zwischen einem Handschlag und einer Umarmung. Gern nehme ich Letzteres. Viel lieber sogar nehme ich Letzteres. Wir sind beim Thema: Emotion als verbindendes Herzstück der Hersteller-Händler-Käufer-Kette. 

Viel Unterhaltung und hoffentlich Inspirierendes beim Weiterlesen 

Stefan Brunner
Chefredakteur SAZsport


Ein kleiner Emotions-Almanach  

Sport löst Emotionen aus wie kaum eine andere Lebenssphäre. Das prägt die Beziehung zwischen Brands und Kunden.
Foto: Shutterstock

Warum Bindung ohne Emotion nicht mehr funktioniert 

Kundenbindung war lange eine Frage von Wiederholung: Wer einmal zufrieden war, kauft wieder. Das war die Ära, in der das Angebot knapp und Auswahl begrenzt war. Heute leben wir im Gegenteil: alles verfügbar. Immer. Sofort. 

In dieser Welt ist Bindung nicht mehr mechanisch, sondern psychologisch. Menschen bleiben nicht, weil sie müssen. Sie bleiben, weil sie wollen. Und "wollen" ist ein vielschichtiges Gefühl: 

  • Vertrauen ("Die meinen es ernst.") 
  • Zugehörigkeit ("Das passt zu mir.") 
  • Stolz ("Das repräsentiert meine Haltung.") 
  • Inspiration ("Die motivieren mich.") 
  • Sicherheit ("Da fühle ich mich verstanden.")

Emotion ist hier - hinfällig, das überhaupt zu sagen - nicht Kitsch, sondern Orientierung. Sie steuert das innere Leitsystem in einer überfüllten, lauten Konsumwelt. Und sie löst Konsum aus. 

Relevanz durch Werte: Keine Haltung, keine Heimat 

Die entscheidende Frage lautet: Wofür steht eine Marke - und zwar insbesondere dann, wenn gerade keine Kampagne läuft? 

Werte sind keine PR-Dekoration, sondern Kaufgrund. Und vor allem: ein Bleibegrund. Menschen binden sich an Marken, die dazu beitragen, ihre Welt mitzuproduzieren und im besten Fall mitzuprägen. Nachhaltigkeit, Diversität, soziales Engagement - all das kann starke emotionale Anziehung entfachen. Das indes nur, wenn eine Kern-Bedingung erfüllt wird: Authentizität. 

Das Publikum ist nicht mehr naiv. Es ist geübt und erkennt Widersprüche heute schneller, als man "Purpose" sagen kann: 

  • Nachhaltigkeit im Claim, aber nicht in der Lieferkette? 
  • Diversity auf Plakaten, aber nicht in der Führungsetage? 
  • Soziales Engagement im Spot, aber nicht im Alltag?

Werden solche Brüche offensichtlich, dann kippt Emotion gleich ins Gegenteil: Enttäuschung. Spott. Abwehr. Und das wirkt dann stärker als jedes Markenversprechen. Kurzum: Werte sind nur dann relevant, wenn sie spürbar sind. 

Emotionales Storytelling: Wer Herzen berührt, bleibt im Gedächtnis 

Der zweite Hebel ist Storytelling. Gern als Buzzword und Allzweckwaffe genommen und gesehen. Dahinter steckt allerdings eine hochrelevante Marketing-Disziplin. Menschen erinnern sich nicht an Informationen, sehr wohl aber an Geschichten. Weniger also an das Produkt als an den emotional aufgeladenen Moment. Entscheidend sind Timing, Menschlichkeit. Auch die Fähigkeit, etwas auszusprechen, das die Zielgruppe längst fühlt, aber noch nicht formuliert hat. Elementar ist die schon angesprochene Bedeutsamkeit: 

  • Eine Kampagne, die Mut macht 
  • Eine Community, die Menschen verbindet  
  • Ein Ereignis, das Relevanz hat, betroffen macht, zum persönlichen Meilenstein werden kann. 

Marken, die berühren, büßen dabei womöglich ein bisschen Perfektion ein. Aber sie sind ehrlich und authentisch, mit Ecken, Haltung, Humor, Kante. Und manchmal halt auch mit Schwäche. Denn nichts baut Nähe schneller auf als das Gefühl: "Die sind wie ich." 

Es gilt, datengetriebene Kommunikation für eine persönliche Ansprache zu nutzen.
Foto Shutterstock

Kundenzentrierung & Personalisierung:
Schluss mit One-Size-fits-all 

Dann wäre da noch ein weiterer großer Treiber von Bindung: Personalisierung. Die Menschen haben sich an Netflix, Spotify und YouTube gewöhnt. Nachdem die Skepsis überwunden war, gesehen und getrackt zu werden, haben sie sich an den individuellen Zuschnitt gewöhnt. Und aus gewöhnt wurde schnell verwöhnt. 

One-Size-fits-all ist in dieser fragmentierten Welt ein Anachronismus. Die Frage ist nicht mehr: Was kann das Produkt? Sondern: Was kann und bedeutet es für mich? Für mein Leben, meinen Alltag, meinen Körper, meinen Stil, mein Budget, meine Ziele. Personalisierung ist dabei ein Datenthema, viel mehr aber ein Beziehungsthema. Datengetriebene Kommunikation vermag durchaus, emotional zu sein, dann, wenn sie nicht manipulierend und übergriffig daherkommt, sondern wenn sie hilft und unterstützt und einen versteht: 

  • "Du trainierst auf einen Halbmarathon? Hier ist ein Plan." 
  • "Du kommst zurück nach einer Pause: Willkommen. Kein Druck."  

Die beste Personalisierung fühlt sich also nicht wie Werbung an, sondern wie Coaching. Oder wie ein Freund, der einem die richtigen Schuhe hinstellt, ohne einen Vortrag zu halten. 

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Der Transfer auf die Sportartikel-Welt 

Die Sportartikelbranche: Wo Emotion nicht Beiwerk, sondern Grundrauschen ist. 

In der Sportartikelbranche gelten die oben aufgebauten Logiken nicht nur - sie potenzieren sich. Sport ist emotionale Verdichtung - Ehrgeiz, Zweifel, Stolz, Schmerz, Hoffnung, Disziplin, Befreiung - und damit einer der wenigen Orte im Alltag, an denen Menschen sich selbst unverstellt begegnen. Wer Sportartikel verkauft, verkauft daher nie nur Material. Er verkauft: 

  • die Vorstellung, besser zu werden, 
  • die Hoffnung, dranzubleiben, 
  • die Identität, "SportlerIn" zu sein, 
  • manchmal auch einfach das Gefühl, wieder zu sich zu finden. 

Genau deshalb sind Marken wie in keiner anderen Branche Lebensbegleiter - oder halt nur austauschbare Logistikdienstleister. Dazwischen liegt Emotion. 

Die Sportartikelbranche: Wo Werte den Ausschlag für Glaubwürdigkeit geben.  

Wer in dieser Welt Werte kommuniziert, muss sie besonders konsequent leben. Auch wenn es Gegenbeispiele gibt, Sport steht grundsätzlich und historisch für Fairness, Respekt, Teamgeist. Gleichzeitig ist die Branche verstrickt in Produktionsdebatten, Ressourcenverbrauch und in eine überdrehte Kultur der Idealkörper und Superlative. Hier entscheidet sich Bindung radikal: 

  • Positioniert man seine Marke als Teil der Lösung? 
  • Oder nutzt sie nur die Ästhetik des Fortschritts? 

Die Sportartikelbranche: Wo der "Gänsehaut-Moment" die Währung ist. 

Es zählt das Gefühl nach dem Lauf. Nach dem Spiel. Nach der Verletzung. Nach dem Saisontief. Nach dem Comeback. Nach dem Erfolg. Danach, aber auch währenddessen. Marken, die diese Momente ermöglichen und erzählen, gewinnen Loyalität und binden Kunden in einem emotionalen Ökosystem. Formate sind zum Beispiel: 

  • Running-Clubs 
  • Community-Events 
  • Creator-Formate mit echten Geschichten 
  • Content, der das Training begleitet 

Die Sportartikelbranche: Wo Individualisierung immanent ist.   

Im Sport ist Personalisierung nicht Luxus, sondern eine Form von Respekt, vor allem eine unumstößliche Notwendigkeit ...  

  • weil Körper unterschiedlich sind. 
  • weil Ziele unterschiedlich sind. 
  • weil Motivation unterschiedlich ist. 
  • weil Einstieg und Leistungslevel unterschiedlich sind. 

Sportartikelkommunikation, die alle nach gleichem Standard anspricht, wirkt wie ein Trainingsplan für "Mensch, 1,75 m". Völlig absurd. Wer dagegen individuelle Wege unterstützt - vom Anfänger bis zur Wettkämpferin, vom Comeback bis zur Leistungsphase - baut Bindung auf eine fast intime Art auf. 

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Die Conclusio

Durch ein authentisches, von Werten geprägtes Auftreten können Marken eine Bindung zum Kunden herstellen - und werden bestenfalls eine Lovebrand.
Foto: Shutterstock

Emotion ist die Magie zwischen Mensch und Marke 

Kundenbindung ist keine technische Disziplin. Sie ist eine menschliche. Sie entsteht, wenn Marken ... 

  • Werte leben, statt sie zu plakatieren 
  • Erlebnisse schaffen, statt nur Botschaften zu senden 
  • Menschen verstehen, statt Zielgruppen zu verwalten

Und in der Sportartikelwelt gilt das umso mehr. Sport ist Emotion in Bewegung. Und wer diese Emotion verdient, bekommt nicht nur Käufer. Sondern Fans.  

So muss er jetzt doch auch noch fallen, der Begriff der Love Brand, den Status, den viele Marketingabteilungen für ihre Produkte anstreben. So entstehen dann Labubu-Plüschtiere und Stanleycup-Quencher, ohne die ihre KäuferInnen, so das generierte Bedürfnis, nicht mehr gut leben können. Eine Marke wird zur einer solchen Lovebrand, wenn aus Zufriedenheit echte emotionale Bindung wird. Die US-Marketingforscher Barbara CarrollundAaron Chaim Ahuviahaben das Phänomen schon 2006 in ihrer vielzitierten Studie als "passionate emotional attachment" beschrieben, also eine leidenschaftliche emotionale Verbundenheit von KonsumentInnen mit einer Marke, die nachweislich Loyalität und positive Weiterempfehlung deutlich erhöht.

Bringen wir es abschließend auf eine ausdrucksstarke Erfolgs-Formel, nennen wir sie die "Lovebrand-Formel im Sport":

(Werte, die gelebt werden + Erlebnisse, die Gänsehaut machen + echte Nähe zum Menschen) × Performance, die hält = emotionale Bindung + KundInnen, die zu Fans werden 

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