Offener Brief 03.04.2024, 11:04 Uhr

Österreichischer Sportfachhandel kritisiert Barrieren für E-Bike-Reparaturbonus

In einem offenen Brief an Leonore Gewessler, österreichische Bundesministerin für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie, bemängelt der Sportfachhandel in Österreich bürokratische Hürden für den Reparaturbonus bei E-Bikes.
(Quelle: Shutterstock)

Hintergrund

Mit Beginn der Fahrradsaison werden in den nächsten Monaten wieder tausende Kunden ihre E-Bikes zum jährlichen Service in den Sportfachhandel bringen. In Österreich können Verbraucher seit 2022 für die Reparatur von Elektro- und Elektronikgeräten, worunter auch E-Bikes fallen, einen Reparaturbonus erhalten. Ziel ist es damit, das Elektroschrottaufkommen und den Ressourcenverbrauch zu reduzieren. Allerdings kann dieser Bonus im Sportfachhandel aufgrund bürokratischer Hürden nach wie vor nicht in Anspruch genommen werden. Das liegt daran, dass viele Händler, die Elektrofahrräder verkaufen, gewerberechtlich nicht befugt sind, komplizierte Reparaturen durchzuführen. Schon seit graumer Zeit fordern die österreichischen Sporthändler, dass sie die Aktion registrieren können, ohne ein zusätzliches Gewerbe anmelden zu müssen.
In dem nachfolgenden offenen Brief an Frau Bundesministerin Gewessler machen die Vertreter des Sportfachhandels nun erneut auf diese Problematik aufmerksam. Es gehe nicht nur um Geschäftsinteressen, sondern vor allem darum, den Zugang zu sicheren und umweltfreundlichen Verkehrsmitteln zu erleichtern.

Offener Brief

"Sehr geehrte Frau Bundesministerin Gewessler,
wir – der österreichische Sportfachhandel – wenden uns an Sie, um erneut auf eine praxisferne und geschäftsschädigende Regelung beim Reparaturbonus hinzuweisen. Unter den aktuellen Rahmenbedingungen ist es für unsere Kundinnen und Kunden nicht möglich, den Reparaturbonus für E-Bike-Reparaturen bei dem bzw. der Sportfachhändler:in ihres Vertrauens in Anspruch zu nehmen.
Im März beginnt mit dem Frühling die Fahrradsaison. Tausende Menschen in Österreich bringen in den kommenden Wochen und Monaten ihr E-Bike zum Service. Beim jährlichen Fahrrad-Service fallen in 95 % den Fällen Reparaturtätigkeiten an, wie z.B. die Bremsscheiben oder Bremsbeläge wechseln, die Fahrradkette tauschen oder die Schaltung einstellen. Möchten die Kundinnen und Kunden dafür den Reparaturbonus im Sportfachhandel beantragen, geht das nicht. Obwohl E-Bikes laut Reparaturbonus-Richtlinien förderungsfähig sind.
Seit mehr als einem Jahr machen wir die Verantwortlichen im BMK, im Arbeits- und Wirtschaftsministerium und in der Wirtschaftskammer Österreich auf dieses bürokratische No-Go aufmerksam. Seither ist nichts passiert – die Teilnahme-Voraussetzungen wurden nicht überarbeitet, obwohl der gesamte Reparaturbonus ein „Make-over“ bekommen hat.
E-Bikes regelmäßig servicieren und reparieren zu lassen, ist nicht nur für die Sicherheit im Straßenverkehr von hoher Bedeutung. E-Bikes sind ein zentrales Verkehrsmittel für die klimaneutrale Mobilitätswende (z.B. für Pendler:innen, E-Lastentransporte, Bevölkerungsgruppen mit körperlichen oder sonstigen Einschränkungen).
Das Personal im Sportfachhandel ist auf E-Bike-Reparaturen spezialisiert. Von März bis Oktober sind tausende spezialisierte, ausgebildetete Techniker:innen im Sportfachhandel im Einsatz, die sich tagtäglich mit E-Bike-Reparaturen beschäftigen. Die österreichischen Sportfachgeschäfte haben zu diesem Zweck in den letzten Jahren hunderttausende Euros investiert, um voll ausgestattete Werkstätten auf dem neuesten Stand der Technik zu errichten. Diese Entwicklung ist auch deshalb wichtig, um zuverlässige und schnelle E-Bike-Reparaturen gewährleisten zu können. Der Fahrradfachhandel und Fahrradwerkstätten allein könnten die Nachfrage ohne den Sportfachhandel nicht decken. Ohne E-Bike-Reparaturen im Sportfachhandel käme es für die Kund:innen zu wochen- oder monatelangen Wartezeiten.
Wir appellieren deshalb erneut an Sie, Frau Bundesministerin Gewessler. Wir fordern Sie auf, diese praxisferne und vor allem geschäftsschädigende Regelung sofort abzustellen. Sportfachhändler:innen müssen sich für die Förderaktion registrieren können ohne ein zusätzliches Gewerbe anmelden zu müssen. Im Bereich Fahrradtechnik müssen alle E-Bike-Reparaturen möglich sein, nicht nur „einfache Reparaturtätigkeiten“.
Weiters möchten wir Sie an den Leitsatz der Förderaktion erinnern. „E-Geräte reparieren. 50 % der Kosten sparen. Umwelt schützen.“ Verlieren Sie das Ziel, an dem Politik, Wirtschaft und Gesellschaft gemeinsam arbeiten müssen, nicht aus den Augen.
Mit freundlichen Grüßen
Stellvertretend für alle betroffenen Sportfachhändler:innen,

Rainer Winninger, Intersport Winninger
Willfried Grundtner, Grundtner GmbH
Martin Tunst, Intersport Pilz
Michael Fischer, Intersport Fischer
Jens Kramny, Gigasport
Dr. Holger Schwarting, Sport 2000
Mag. Oliver Seda, Hervis

Thorsten Schmitz, Intersport Österreich
Dr. Michael Schineis, VSSÖ-Präsidiumssprecher
Christoph Bründl, Sport Bründl
Stefan Limbrunner, KTM
Hans-Jürgen Schoder, Sprecher ARGE Fahrrad, CEO Thalinger & Lange"



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