Energiewende 21.04.2022, 12:05 Uhr

Bergzeit produziert Ökostrom

„Strom ist nicht unser Kerngeschäft, aber ohne Strom kein Kerngeschäft“, erklärt Holger Cecco-Stark, Head of CSR Bergzeit, bei einer Podiumsdiskussion einen der Beweggründe von Bergzeit in die Ökostromproduktion einzusteigen.
Teilnehmer der Podiumsdiskussion v.l.n.r.: Stefan Drexlmeier/Leiter d. Geschäftsstelle Energiewende Oberland, Olaf von Löwis/Landrat Landkreis Miesbach, Holger Cecco-Stark/Head of CSR Bergzeit, Birgit Grossmann/Enviro & Marketing Manager Patagonia Germany/Austria, Rainer Sylla/Geschäftsführer d. Elektrizitätswerke Schönau Vertriebs GmbH
(Quelle: Bergzeit)
Ein Bergsportausrüster als Ökostromanbieter – ja, das funktioniert – nicht, um damit primär wirtschaftlichen Gewinn zu erzielen, sondern vielmehr, um seine eigenen Klimaziele konsequent zu verfolgen und um als Vorbild zu agieren. Denn: Bergzeit nimmt seine Rolle als nachhaltig agierendes Unternehmen ernst und setzt sich als Anbieter von Ökostrom konkret für die Energiewende ein. Entsprechend wurde im Zuge der Vergrößerung des Logistikgebäudes am Firmensitz in Otterfing eine Photovoltaik-Anlage in Betrieb genommen. Auf einer Fläche von rund 6.000 Quadratmetern produzieren nun 1.370 Solarpanel-Module „grünen“ Strom.

Regionalität ist das Mittel der Wahl

Rund 550.000 Kilowattstunden erzeugt die Anlage auf dem Flachdach, nur gut die Hälfte des zertifizierten Ökostroms verbraucht der Bergsporthändler selbst. Der Überschuss kommt den Elektrizitätswerken Schönau, kurz EWS, zugute. Die EWS ist nach der Tschernobyl-Nuklearkatastrophe 1986 als Bürgerinitiative entstanden und in den vergangenen knapp vier Jahrzehnten zu einer Genossenschaft mit rund 220.000 Stromkunden herangewachsen. Die saubere Energiegewinnung steht bei den EWS im Fokus. So wie auch beim Bergsporthändler Bergzeit. Ein weiterer wichtiger Punkt,  den die neuen Partner für sich beanspruchen: eine möglichst regionale Stromversorgung von der beispielsweise Nachbarn profitieren. Eine dezentrale Stromversorgung, Stichwort Regionalität wird angestrebt. Dazu Rainer Sylla, Geschäftsführer der Elektrizitätswerke Schönau Vertriebs GmbH: „Regionalität ist das Mittel der Wahl, aber die Regulatorien sind schwierig.“ Was übersetzt heißt: Bergzeit würde gerne seine Nachbarn in Otterfing mit Strom versorgen, das geht allerdings nicht – noch nicht. Denn Stromnetze, Versorgungswege, Versorgungsverträge – das Stromgeschäft ist komplex und weit über die europäischen Grenzen miteinander verknüpft inklusive Notfallplänen und Redundanzen – eine einfache Stromversorgung von Nachbar zu Nachbar ist da erstmal noch Zukunftsmusik.
6.000 Quadratmeter Platz für Solarpanel-Module bietet das Logistikgebäude von Bergzeit am Firmensitz in Otterfing.
Quelle: Bergzeit
 

Vollauslegung vor Wirtschaftlichkeit

Rainer Sylla, EWS, sieht die Thematik ganz pragmatisch: Es geht darum, den Strom grüner zu machen. Denn auch die genossenschaftlich organisierte EWS als Ökostromanbieter muss auf ein großes Strom-Sammelbecken zurückgreifen, in das sowohl konventioneller Strom als auch Elektrizität aus erneuerbaren Energien fließt. Ziel ist es, diese Sammelbecken mit mehr Ökostrom zu speisen. Bergzeit will seinen Beitrag dazu leisten, was eine Vollauslegung bedeute. Dazu Cecco-Stark: „Die Vollauslegung unserer Photovoltaik-Anlage ist zwar nicht der wirtschaftlichste Weg, aber wir wollen etwas bewegen, anderen Mut machen, ebenfalls diesen Schritt zu machen.“ Bergzeit speist aber nicht nur Ökostrom bei der EWS ein, sondern die Partner nutzen durch ihre Zusammenarbeit in auf beiden Seiten Synergien, da sie gemeinsam weitaus mehr Interessierte und potenzielle Abnehmer ansprechen können, als sie es alleine könnten.
Bergzeit lud zur Podiumsdiskussion in die Firmenzentrale nach Otterfing. Das Thema Energiewende: komplex, die Ziele der Partner: identisch.
Quelle: Bergzeit

Patagonia ist Partner

Stichwort Reichweite und Aufmerksamkeit: Um sowohl regional als auch international eine hohe Aufmerksamkeit für die Energiewende zu generieren, arbeitet Bergzeit zusätzlich mit Patagonia zusammen. Für den Outdoor-Bekleidungshersteller ist die Energiewende einer der wichtigsten Hebel in der Klimakrise. Die Unterstützung von Bürgerenergie und die vermehrte Produktion und Nutzung von Ökostrom sind Grundlage der im Jahr 2020 ins Leben gerufenen Kampagne „We the Power“. „Wir wollen unsere Kunden und Partner motivieren, nachhaltig zu wirtschaften und zu handeln,“ erklärte Birgit Grossmann, Enviro & Marketing Manager Patagonia Deutschland/ Österreich. Denn, so Grossmann weiter: „Mit dem Verkauf von Hosen werden wir die Erde nicht retten.“

Nachhaltigkeit: Das Zusammenspiel aus Sozialem, Ökonomie und Ökologie

Mit dem Verkauf von Hosen, kann man die Erde nicht retten, aber Nachhaltigkeit bedeutet auch nicht den gänzlichen Verzicht auf wirtschaftliche Interessen. Es gilt verantwortungsvoll zu agieren. Nachhaltigkeit bedeutet auch nach vorne schauen und Ziele für die Zukunft zu definieren. Dafür bedarfs es auch der Unterstützung der Politik. Denn, der Zubau von erneuerbaren Energiequellen stößt auf regulatorische Hindernisse, die zunehmend abgebaut werden müssen. Damit es in Zukunft eine regionale bürgernahe Energieversorgung geben wird. Und wer weiß, vielleicht profitieren künftig nicht nur Mitarbeiter und Nachbarn vom Bergzeit-Ökostrom, sondern können Kunden per Kassenbon Ökostrom kaufen.



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